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"Bittere Geschmack von Orangen"

von Umbruch Bildarchiv/Fotofraxia Athen - 10.05.2006

Fotoreihe G8:

Bild Wahrscheinlich wissen die meisten, dass die Apfelsinen, die in Deutschland zu kaufen sind, hauptsächlich aus südlichen Ländern wie z.B. Griechenland importiert werden.
Sicherlich sind alle diese Verbraucher den süßen Geschmack von Orangen gewohnt. Aber leider ist es sehr wenigen bekannt, unter welchen Bedingungen Apfelsinen hergestellt werden.

Eine Fotoreportage über die Situation der Plantagenarbeiter in Griechenland unter http://www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/ereignis/100506orangenernte.html

Die Felder von Argolis auf der Peloponnes in Süd-Griechenland sind das Gebiet mit der größten Orangen-Produktion in diesem Land. Von den tausenden Tonnen, die da jährlich produziert werden, wird ein hoher Anteil nach West- und Osteuropa exportiert. Die Ernte der Apfelsinen ist gar nicht mechanisiert und findet jeden Winter von Oktober bis April statt. Sie benötigt die Arbeit von Tausenden von Arbeitern.

Diese Arbeit wird hauptsaechlich von jungen Flüchtlingen aus Afghanistan betrieben, die in Griechenland Zuflucht vor dem Krieg und ethnischer Verfolgung in Afghanistan genommen haben. Die meisten sind junge Männer, viele noch minderjährig.

Sie befinden sich in Griechenland ohne Dokumente und Ihnen wird das Recht auf Asyl nicht gewährt. Sie arbeiten in Gruppen von 20-30 Personen für die Eigentümer der Felder. Sie wohnen in Gebäuden, die normalerweise als Lager auf den Feldern benutzt werden und jeder bezahlt dem Eigentümer 30 Euro Miete monatlich. In jedem Lager wohnen ungefähr 15 Personen auf 30 qm.

Die Lebensbedingungen sind einfach schlecht. Es gibt nur eine Toilette für 30 Personen, Matratzen stehen nur wenigen von ihnen zur Verfügung sowie Decken für die kalten Winternächte. Die Arbeitsbedingungen sind ebenso schlecht wie die Lebensbedingungen. Die jungen Afghaner bekommen keinen festen Tageslohn, sondern werden nach dem Mass ihrer Ernteausbeute bezahlt. Sie bekommen 1,6 Cent pro Kilo, während die Apfelsinen auf dem Markt in Griechenland für 60 Cent pro Kilo verkauft werden.

Oft gibt es über lange Zeit keine Arbeit und dann bleiben sie alle arbeitlos in den engen Zimmern wartend. Sich bewegen können sie auch nicht. Obwohl in der Gegend während der Erntezeit eine de facto Einstellung der Verhaftungen und Abschiebungen seitens der Polizei in Kraft gesetzt wird, existiert immer die Gefahr der Verhaftung, wenn man sich in den Nachbarstädten ohne Dokumente bewegt.

Wie selbst die Eigentümer von Orangen von sich aus zugeben, ist die extrem billige und flexible Arbeit der dadurch in der illegalität gehaltenen Flüchtlinge lebensnotwendig für den Export und die Konkurrenzfähigkeit von griechischen Orangen auf dem globalisierten Markt. Damit die Orangenproduktion noch Gewinne bringen kann, müssen die Arbeitskosten möglichst niedrig bleiben.
Flüchtlinge und Immigranten ohne Dokumente sind die einfachste Lösung. Es ist leicht festzustellen, dass diese Situation, die nicht nur in Griechenland und nicht nur in der Produktion von Apfelsinen herrscht, vom griechischem Staat absichtlich nicht nur ertragen wird sondern auch indirekt bewahrt wird.

Der griechische Staat hält die Prämise der europaischen Einwanderungspolitik ein und stellt immer Hindernisse in den Weg der Flüchtlingen zur Asylantragsstellung und zur Legalisierung.

Solange die Orangen unter diesen Ausbeutungsverhältnissen hergestellt werden, sollten wir uns nicht wundern, warum sie manchmal einen bitteren Geschmack bekommen. fotofraxia Athen

Im Sommer 2007 treffen sich die Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen und Russland zum G8-Weltwirtschaftgipfel in Heiligendamm bei Rostock. Bereits jetzt beginnen zahlreiche linke Gruppen in Deutschland gegen das Gipfeltreffen zu organisieren. Bei Umbruch entstand die Idee, die Mobilisierung mit Fotoberichten über Alltag und Lebensbedingungen - vor allem der Armen - in verschiedenen Ländern zu begleiten. Gerne könnt ihr Euch mit eigenen Beiträgen beteiligen!