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in Athen 2006


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Die Ereignisse von Freitag, dem 19.11.99, dem Tag von "Clintons Besuch in Athen. Griechenland

Am Anfang war der Besuch für zwei Tage geplant, vom 13. bis 14. November; doch er wurde verschoben. Letztendlich wurde Clintons Besuch in Athen auf einen 24-Stundentrip am 19.11. nach seinem Türkeibesuch und dem Abschluss des Treffens der "Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa" beschränkt.

Die Demonstration zur amerikanischen Botschaft - die für seine Ankunft geplant war- wurde von der Regierung verboten, die auch eine Sicherheitszone bestimmte, welche große Teile der Innenstadt umfasste und die die Bevölkerung für die Dauer des Besuchs nicht betreten durften.

Die Organisatoren der Demo, hauptsächlich die griechische kommunistische Partei (eine Vorreiterin in der Manipulation von Kämpfen und in der Zusammenarbeit mit der Polizei, wenn unkontrollierbare Jugendliche und Anarchisten demonstrieren) protestierten gegen diese "undemokratische" Entscheidung. Sie erklärten, daß sie diese nicht akzeptierten und garantierten, daß sie selber die Demonstrantlnnen bewachen würden. Ihre Position ist ein patriotischer Antiamerikanismus. Sie reden über die nationalen griechischen Interessen gegen die Türkei, präsentieren den Feind als etwas, was auf der anderen Seite des Atlantik existiert, und stellen Griechenland als ein armes Opfer der neuen Weltordnung dar.

Für beide Seiten des Regimes, für beide Aspekte des Staats, die Regierung und die KP, welche eine Erweiterung und wertvolle Unterstützung der Ersteren ist, besteht das gemeinschaftliche Interesse jeden realen Widerstand zu unterdrücken. Für die Regierung ist es wichtig zu beweisen, daß sie fähig ist Sicherheit und Ordnung herzustellen. Für die Anderen ist es wichtig, eine in ihrem Inhalt und Methoden simulierte und manipulierte Reaktion anzubieten und darzustellen, die einerseits die Gesamtinteressen des griechischen Staates nicht bedroht, andererseits aber einen Konsens darüber schafft, was "Kampf" ist.

Auf der anderen Seite gibt es für Anarchistinnen, Anti-Autoritäre, Jugendliche, ProletarierInnen, Arbeitslose, von der neuen Weltordnung Ausgeschlossene und unter ihr Leidende, und die gegen die imperialistische und kapitalistische Realität Kämpfenden überhaupt keinen Grund sich zusammen mit der sich selbst unterdrückenden Basis der Parteien besonders an der amerikanischen Botschaft zu orientieren. Wir hatten keinen Grund uns besonders an Clinton zu orientieren und uns über das Demonstrationsverbot aufzuregen, zumal das, was die neue Weltordnung repräsentiert, ihr dient und zu ihr gehört. Überall um uns herum ist. Imperialismus gibt es nicht nur in den USA. Der griechische Staat und sein Kapital sind ebenfalls Teil des imperialistischen Machtblocks und sie sind hier. Die Entwicklung der nationalen Wirtschaft, die Repression gegen Revolutionärlnnen und Menschen, die Widerstand leisten, Kontrolle und Überwachung. die Jagt auf Imigrantlnnen. die autoritären Beziehungen in der vom Staat kolonisierten Gesellschaft und eine Gesellschaft der Ausgegrenzten. Der Clinton- Besuch war für uns eine Möglichkeit, die Straßen zu besetzen, das zu zerstören, was alltäglich Angriffsziel ist, und den von beiden Seiten des Regimes inszenierten Scheinkonflikt als eine Show zu entlarven und zu demontieren; eine Show, die beiden gut in den Kram gepaßt hätte. Ein anderer Aspekt des Kampfes war, daß er die Möglichkeit bot unser politisches Zukunftsprogramm vorzustellen: FEUER. Unser Ziel war das Zentrum von Athen. Kein neutrales sondern feindliches Feld. Ein kapitalistische Metropole, deren Regierungsgebäude und Unternehmen, Handels- und Finanzviertel. Symbole und Sicherheitsleute wir nicht vor unserer Wut verschonen wollten. Es gab keinen Grund die nationalen Sicherheitsinteressen zu respektieren. Wir würden mal wieder nichts anderes sein als der innere Feind im Herzen der Bestie. Das ist der einzige Weg, den Feind da zu treffen, wo er uns am nächsten ist: in dem Land. in dem wir leben. Gleichzeitig ist es auch der beste Weg ein Botschaft internationalistischer Solidarität an alle unsere

Genossinnen. die gegen die neue Ordnung der Herrschaft und für Freiheit weltweit - in der Türkei, in den anderen europäischen Metropolen, in den USA - sowie überall kämpfen, zu schicken.

Ungefähr um 5 Uhr nachmittags begannen sich Leute in der Athener Unterstadt zu sammeln. Auf dem Syntagma Platz vor dem Parlament gab es eine starke Konzentration von Polizei Kräften um den Zugang zur V. Sofias Straße zu verhindern, die zur amerikanischen Botschaft und zum Amtssitz des Präsidenten führt. Der Syntagma Platz ist der Treffpunkt der Mitglieder der Kommunistischen Partei. Eine weitere Versammlung von linken Parteien und Organisationen war in Propilea, zwei Straßen vor dem Syntagma Platz. Ihr Ziel war es ebenfalls friedlich bis zu Syntagma Platz zu laufen und sich hinter die KP zu stellen. Anarchistinnen und Antiautoritäre begannen sich auch in der Propilea- Gegend zu sammeln, wobei sie unter den Linken Unsicherheit verbreiteten. Letztere rufen gerne Parolen wie "LA.-LA.-fuck the USA". Si fühlen sich aber nicht so, wenn so was in ihrer eigenen Stadt passiert. Wir riefen Parolen wie "Solidarität ist die Waffe der Völker - Krieg dem Krieg der Bosse" und Parolen aus Solidarität mit Nikos Maziotis, einem anarchistischen Genossen, der seit Januar 98 im Knast ist. Er wurde kürzlich zu 15 Jahren Knast verurteilt, weil er eine Bombe in's Ministerium für Industrie und Entwicklung gelegt hat und für diese Aktion die Verantwortung übernommen hat. Wir riefen Parolen in Erinnerung an Christoforos Marinos, einem Anarchisten, der im Juli 96 von der Polizei ermordet wurde. An einige Gebäude wurde "Die Straßen gehören uns" gesprüht. Auf dem Weg zur Stadiou Straße nahmen die Anarchistinnen Material wie z.B. Steine, Ziegel und Brecheisen von einer nahegelegenen Baustelle mit.

(Wie wir schon voher sagten, hing das bewußt gewählte Ziel, das Handelszentrum der City niederzubrennen und zu zerstören, nie mit dem "undemokratischen" Verbot der Demonstration zusammen noch hatte es seinen Grund in irgendeiner "Verteidigung" gegen Polizei Brutalität. Im Gegenteil, es war eine politische Perspektive - antagonistisch zu den beiden vorgenannten Konzepten. Aber die Tatsache, daß die KP und die Regierung in ihren Verhandlungen miteinander gefangen waren (ein Machtspiel!), führte zu einer vorübergehenden Schwächung ihrer Zusammenarbeit. Das Spektakel eines Streits zwischen ihnen, mit dem sie sich beide rechtfertigen wollten, verhinderte ein gemeinsames Vorgehen bei der Repression.)          .

Um 6.30 erreicht Clintons Flugzeug den Athener Flughafen. Die KP sendet etwa 100 ihrer Mitglieder in eine von vornherein verlorene Schlacht mit den Aufruhrbekämpfungs-Bullen vorm Parlamentsgebäude. Die Polizei besprüht sie mit Tränengas und sie fangen an, wegzulaufen. Die Führer ihrer Partei ordnen ihren Tausenden von Menschen an, sich aus Protest auf die Straße zu setzen. Ihrer Erwartung nach sollten die Dinge so enden, ruhig und bedeutungslos.

Zwei Straßen weiter zerstören zwei bis dreihundert Anarchistinnen und Jugendliche, die maskiert und mit Molotowcocktails und Steinen bewaffnet sind, die Fenster der ersten Bank in Panepistimiou. In kurzer Zeit brennt die Bank. Beim Klang von anarchistischen Parolen werden in den beiden zentralsten Straßen von Athen, die nach Syntagma, Panepistimiou und Stadion führen, und ebenfalls in all den kleineren

Verbindungsstraßen, also im "Herzen des Regierungs- und Geschäftsdistrikts" nach und nach alle Banken zerstört. Zentrale griechische und ausländische Banken werden eingeworfen und angezündet; Luxusgeschäfte, Agenturen und Gebäude von Aktiengesellschaften, Juweliergeschäfte, sie alle sind Angriffsziele. In Panepistimiou werden aus Mülltonnen Barrikaden gebaut und die Bullen mit Mollies beworfen, wenn sie sich nähern. Die Straßen sind von den brennenden Geschäften hell erleuchtet und die angreifenden Leute können sich auf ein großes Gebiet ausbreiten. Ein Gruppe von Zivis wird entdeckt und aufgemischt. Die Panepistimiou Straße ist völlig von den revoltierenden Leuten besetzt. In der Stadiou Straße ziehen sich die Blocks der Linken und der Parteien unter Tränengasregen zurück in die Gegenrichtung von Syntagma, nach Omonia. Überall um sie herum sind Anarchistinnen dabei, Banken und Geschäfte zu zerstören und anzuzünden. Mit Steinen attackieren sie das Wirtschaftsministerium und die Bullen, die es schützen. Innerhalb einer Stunde, während die beiden Straßen brennen, erreichen die (Linken- und Parteien-) Blöcke Omonia und die DemonstrantInnen verlassen die Szene und gehen nach Hause.

Auf der anderen Seite werden die Leute, die mit der Polizei zusammenstoßen und das Kapitalistische Zentrum zerstören, in kleinere Gruppen aufgesplittert und bewegen sich in verschiedene Richtungen, um mit dem, was sie tun, weiterzumachen. Eine Gruppe von ihnen greift die Börse und Banken an und macht vor der Stadthalle ein Feuer. Eine andere Gruppe geht in die Pireos Straße und zerstört oder bewirft das Ministerium für Arbeit, das Büro von SYN (pol.Partei, linksgerichtet), das IKA (Institut für soziale Sicherheit) und das OAED (Organisation für Arbeitsbeschaffung ? )" mit Steinen und Ziegeln. Sie zündeln staatseigene Autos, einen Diplomatenmercedes, andere feiste Autos, verschiedene Banken und Autovertretungen und die Post. Weit weg vom Zentrum zerstören sie ein Polizeiauto, während die Polizisten darin eine Weile gefangen sind. Eine andere Gruppe ist zum Exarchia Platz gegangen und zündet Mülltonnen an , etwas das zur Verwirrung der Polizeikräfte dienen soll, die überall im Zentrum von Athen und den Nachbarstadtteilen Leute verfolgen müssen. Sie sind nicht in der Lage, alle Leute zu lokalisieren, weil diese ständig in Bewegung bleiben, "verbranntes Land" hinterlassend. Die Riots endeten nach zwei Stunden, sie hinterließen das Stadtzentrum hoffnungslos ruiniert und verursachten in verschiedenen Gebieten Zerstörungen an zentralen politischen und ökonomischen Gebäuden, die Angriffsziele sind: In der Patision- und Alexander-Straße nah der Wirtschaftsuniversität und auch in weit vom Zentrum entfernten Vororten.

Die Bullen nahmen etwa 40 Personen fest, zumeist Partei- oder Organisationsmitglieder, die sich in Geschäften versteckten um sich zu retten. Sie hatten Anklagen zu erwarten, wurden aber nach ein paar Tagen wieder freigelassen. Drei jugendliche Verhaftete waren keine Mitglieder einer politischen Partei und blieben genau deshalb im Knast. Sie sind jetzt in einem Jugendknast außerhalb Athens.

Einige Tage später klebte überall in Athen ein Plakat:

"DIE HERRSCHENDEN REGIEREN,ABER SIE HERRSCHEN NICHT"

"Planet authorities"- Angestellte des multinationalen Kapitals, lokale Repräsentanten der Neuen Weltordnung, Anti-amerikanische Patrioten, die mit friedlichen Vorwahlkampf-Demonstrationen und Scheinauseinandersetzungen der Macht Hinterherjagen, uniformierte Büttel der Systems, Bankiers und Unternehmer

SIE SIND ALLE VERTRETER DER IMPERIALISTISCHEN, KAPITALISTISCHEN

WELT UND SIE HABEN ALLE EINEN GEMEINSAMEN FEIND: DIE, DIE FÜR DEN

GESELLSCHAFTLlCHEN UMSTURZ, FÜR FREIHEIT KÄMPFEN

Freitag, 19. November, der Tag des Clinton-Besuchs in Athen.

Das gemeinsame Anliegen der Regierung und der politischen Parteien ist die Kontrolle der Demonstrationen um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten und die "nationalen

Interessen" zu sichern. Anarchistinnen, ProletarierInnen und Jugendliche greifen die Tempel des Kapitals und des Handels an (die Börse, Ministerien, Banken und Luxusläden) und die Büttel der herrschenden Klasse an. Das ist Widerstand gegen den griechischen Staat und das Kapital und darüber hinaus gegen den imperialistischen Block, zu dem er gehört. Und es ist eine Aktion in Solidarität mit all denen, die überall auf der Welt für Freiheit kämpfen und die die Botschaft verbreitet, daß DIE BOSSE NICHT UNVERWUNDBAR SIND

DER WIDERSTAND GEGEN DIE NEUE WELTORDNUNG DER HERRSCHAFT SIND DIE SOZIAL-UND KLASSEN REVOLTEN

solidarische Anarchistinnen

Unsere Solidarität gehört den Leuten, die Seattle und London revoltiert haben.