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noborder action Xanthi

indymedia - 28.08.2005 13:56

In Xanthi , Griechenland, finden vom 25. bis 28.August antirassistische Aktionstage statt. Gestern gab es eine Demonstration mit ca. 200 Leuten in Komotini gegen den nahegelegenen Fluechtlingsknast und darauf einen Angriff mit Erfolg gegen den Knast in Vna .
Das Camp geht heute zu Ende, es gab keine Festnahmen.

In Xanthi , Griechenland, findet zur zeit antirassistische Aktionstage auf dem Universitaetsgelaende statt. Vorgestern wurden etwa 30 Leute aus dem bulgarischen Grenzcamp an der bulgarisch-griechischen Grenze erwartet und nach Xanthi mitgenommen, gestern fand eine erste Demonstration in Xanthi mit etwa 100-150 Leuten statt, die als Schwerpunktthema die Diskriminierungen der muslimisch-tuerkische Bevoelkerung in Thrakien hatte. (siehe auch: http://www.de.indymedia.org/2005/08/126172.shtml )

Seit etwa 500 Jahren gibt es in der Region Spaltungen zwischen der muslimischen, sich selbst grossteils als Tuerken sehende Bevoelkerung und der griechischen Bevoelkerung . Die Regierungen der Tuerkei und Griechenlands erheben Anspruch auf verschiedene Versionen, der Rassismus gegen Fluechtlinge aus der Tuerkei (aus wirtschaftlichen oder politischen Gruenden ) ist in der Oeffentlichkeit ebenso praesent wie der gegen den "inneren Feind", der seit Jahrhunderten hier lebt.
Es gibt alltaegliche Diskriminierungen, bis vor zehn Jahren war es in Xanthi ueblich , dass griechische Soldaten die Menschen in ihr zuhause fuehrte . Dies ist auch ein Grund fuer den Slogan "Griechenland, Tuerkei , Albanien, der Feind ist in den Banken und Ministerien", der hier auf Demos haeufig verwendet wird, um sich gegen Nationalismus und Rassismus zu wenden.

Gegen die offiziellen EU Gesetzgebungen gibt es weiterhin Minenfelder der griechischen Grenzpolizei an der Grenze zur Tuerkei . Die Abschiebeknaeste sind bisher nie von der Oeffentlichkeit betreten worden, dies war Anlass fuer die gestrige Aktion. Es wurde lange darueber diskutiert, wie vorzugehen sei und was zu erwarten ist. Die Forderung der Aktion war gegen die Abschiebeknaeste allgemein gerichtet, aber es wurde auch gefordert, einer Delegation Zutritt zum Knast zu geben, um dort die Situation der Fluechtlinge zu sehen und ihnen RechtsanwaeltInnen zu vermitteln.

Nach einer kurzen Demonstration in der Innenstadt von Komotini ohne Zwischenfaelle fuhren zwei Busse und mehrere PKWs nach Vna .
Dort gibt es einen kleinen Fluechtlingsknast , der offiziell nicht existiert und wo etwa 30 behelmte PolizistInnen dastanden.
Aus dem Bus formierte sich eine grossteils maskierte Masse von etwa 70 Menschen mit kurzen Fahnenstangen und vereinzelt Motorradhelmen, um daraufhin die Cops anzugreifen und zurueckzudraengen .
Die Polizei hatte die Busse bis zum Knast mit zwei PKWs begleitet aber schien die Situation zu unterschaetzen oder nicht ernst zu nehmen.
Es gab keine Spezialeinheit und ein Zivilbulle hatte sogar einen improvisierten Helm. Der oestliche Teil Griechenlands ist Provinz fuer solche Aktivitaeten , solche Aktionen finden hier kaum statt.
Es wurde Pfeffergas geschossen, ein Polizist schoss scharf in die Luft.
Es flogen vereinzelt Steine, zwei ,drei Schilder der Cops gingen zu bruch und einige Bullen schmissen Steine zurueck . Es gab Verletzte auf beiden Seiten aber keine Festnahmen.

Nach diesem spontanen kurzen Kraeftemessen wurde die Forderung nach der Delegation gestellt und mehrere Menschen, einer mit Kamera, besuchten den Knast von Innen, stellten drei Haeftlingen Fragen und bekamen eine Liste der Inhaftierten, um ihnen Rechtsbeistand geben zu koennen .

Eine solche Aktion hat bisher noch nicht in Griechenland stattgefunden, es wurde noch nie ein Abschiebegefaengnis von der Oeffentlichkeit betreten und demnach war es ein grosser Erfolg, dass die Forderung stattgegeben wurde, auch wenn Polizei praesent war und die Gefangenen sichtlich eingeschuechtert und verunsichert waren.
Sie sagten (in Anwesenheit der Polizei) dass sie gut behandelt wuerden und seit etwa 10 Tagen hier seien, leider war das Gespraech durch sprachliche Schwierigkeiten knapp.

Nach der griechischen Gesetzgebung duerfen Fluechtlinge politisches Asyl beantragen und sind bis zur Behandlung ihres Falles vor Gericht auf freiem Fuss . Dafuer benoetigen die RechtsanwaeltInnen allerdings die Namen und die Nationalitaeten .
Es wird sich zur Zeit darum bemueht , sich fuer Rechtsbeistand fuer die 12 im Knast befindlichen Fluechtlinge zu kuemmern . Sie kommen aus Palaestina , Afghanistan, dem Iran und Moldawien, es sind ausschliesslich Maenner .
Das Videomaterial wird zu einem Film geschnitten, der ueber Indymedia und den lokalen OrganisatorInnen spaeter zu beziehen sein wird.

Heute, am 28.August, wird das Camp zu Ende gehen.

Fuer weitere Infos siehe:

http://www.noborder2005bg-gr.net

 http://no-racism.net/article/1319/