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in Athen 2006


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interim 430, 21.8.1997

Die Situation in Griechenland

Wir durchlaufen eine Zeit, in der die Regierenden mit verschiedenen Mitteln versuchen, das Entstehen sozialer Kämpfe und Revolten, die der Verwirklichung ihrer Pläne im Wege stehen, zu verhindern. Sie wollen damit einer Explosion der Wut der Menschen vorbeugen.

Einer ihrer Tricks ist der soziale Dialog, Sozialpartnerschaft zwischen den Herrschenden und den Gewerkschaften, um ihre krassen wirtschaftlichen und politischen Pläne ohne Reaktionen aus der Gesellschaft zum Erfolg zu führen.

Sie versuchen den Leuten einzutrichtern, dass sie sich um deren Meinung kümmern, dass sie deren Einverständnis für die Fortführung ihrer Pläne erreichen möchten. Natürlich ist dies nur eine weitere Täuschung, denn alle ihre Entscheidungen, die sie der Gesellschaft aufbürden wollen, haben sie bereits getroffen.

Gleichzeitig fährt der Staat mit den Angriffen auf den kämpfenden Teil der Gesellschaft fort, indem er tausenden von Bauern, die sich an den Autobahnblockaden im letzten Jahr beteiligt haben, den Prozess macht.

Auch die Prozesse gegen die Anarchisten und die anderen Menschen, die beim Aufstand in der Polyklinik 1995 verhaftet worden sind, werden fortgeführt.

Nach vielen Verschiebungen wegen technischer Probleme wurde in den ersten Julitagen nun doch das Schengener Abkommen vom griechischen Parlament abgesegnet.

Doch die Herrschenden werden sich weiter ängstigen und sorgen. Denn sie wissen, dass die Kämpfer/Innen noch immer die Barrikaden im sozialen Krieg gegen sie halten.

Der soziale Krieg geht weiter:

APRIL:

04.: K. Kalaremas, S. Dapergolas und N. Chrisostomou werden wegen Bankraub verurteilt. Die Urteile lauten: Für Kalaremas 2 Jahre, Dapergolas 7 1/2 Jahre. Jahre und Chrisostomou 25 Jahre(!). Dapergolas und Chrisostomou wurden im Juni 1995 bei dem Versuch eine Bank auszurauben verhaftet. Im Oktober des gleichen Jahres wurde Kalaremas ebenfalls unter der Beschuldigung des Bankraubes verhaftet. Er begann einen Hungerstreik, der ihn im Dezember 1995 nach 68 Tagen die Freiheit brachte. Dapergolas erreichte seine Freilassung nach 76 Tagen Hungerstreik im Januar 1997. Kalaremas und Dapergolas sind an den Kämpfen der Anarchisten beteiligt gewesen. (Der Text gibt keine Klarheit darüber, ob die beiden im Prozess nun in Abwesenheit verurteilt worden sind oder ob sie eingeknastet worden sind. - Der Übersetzer).
05.: Ungefähr 30 Menschen greifen ein Einberufungsbüro der Armee in Exarchia, im Zentrum von Athen, an. Sie schreiben antimilitaristische Parolen an die Wände und Parolen gegen die Entsendung von Truppen nach Albanien unter Ausgehverbot der Soldaten. Nach 5 Minuten, nachdem die Telefonverbindungen abgeschnitten worden sind, beenden sie die Aktion, ohne dass jemand verhaftet worden wäre.
06.: Solidaritätsdemo mit dem Aufstand in Albanien mit ungefähr 200 TeilnehmerInnen.
08.: Eine "Anti Staat Aktion" übernimmt die Verantwortung für einen Brandanschlag auf den Bus eines Fernsehsenders. Der Bus brennt völlig aus.
08.: Dem rumänischen Gefangenen G. Mihaita gelingt die Flucht aus dem Gebäude der "General Police Direction of Athen".
09.: Auseinandersetzungen zwischen Bauarbeitern und der Polizei vor dem Arbeitsministerium. Nach einer Demonstration versuchen die Arbeiter hier reinzugelangen, die Polizei wendet Tränengas an, um sie aufzuhalten.
09.: Eine Gruppe von Anarchisten greift Sondereinheiten der Polizei zur Aufstandsbekämpfung mit Molotow-Cocktails an. Die Polizei war während Studentenschaftswahlen vor der Polytechnischen Schule aufgezogen. Nach ihrer Aktion verlassen die Anarchisten das Gebäude.
14.: "Revolutionäre Aktion" übernimmt die Verantwortung für die Brandanschläge auf zwei Autos. Eines gehört zur französischen Botschaft, eines einem anderen Diplomaten.
14.: Ein überwiegend aus Dynamit hergestellter Sprengsatz wird im Finanzamt von Patisisia (Vorort von Athen) gefunden. Die Verantwortung übernimmt die Gruppe "Revolutionäre Verschwörung". Der Sprengsatz geht nicht hoch.
15.: Unbekannte setzen Armeefahrzeuge in der Nähe einer Kaserne in St. Anargirous (Vorort von Athen) in Brand
15.: Im zentral gelegenen Athener Stadtteil Exarchia werden zwei Autos von Regierungsbeamten vollkommen durch Molotow Cocktails zerstört. Bei einem Bekenneranruf an eine Zeitung wird erklärt, dass es sich um anarchistische Solidarität mit dem albanischen Aufständischen handelt.
16.: In einem Bürogebäude eines Athener Vorortes detoniert wegen falscher Zusammensetzung die dort gelegte Bombe nicht. Der Anschlag wendet sich gegen die Entsendung des italienischen Militärs nach Albanien.
21.: Militärfahrzeuge brennen in Goui (Athener Vorort) wieder wegen Albanien.
23.: Bei einem Arbeitsunfall auf einer Werft in Perama (Vorort von Piräus) verbrennt der Arbeiter D. Kirisis. Dies ist hier bereits der zweite tödliche Unfall.
28.:"Autonomous Cores 9th April" bekennt sich zu einem Brandanschlag auf einen faschistisches Büro in Omonia, Athen. Die Tür und ihre Hetzschriften verbrennen.

MAI:

03.: Die jugendlichen Gefangenen des Athener Koridalos Gefängnis rebellieren und nehmen zwei Wächter als Geiseln. Während die Aufstandspolizei das Gefängnis umstellt, werden die Forderungen der Gefangenen bekannt gegeben. - Nach 4 Stunden lassen sie die Wächter wieder frei und kehren in ihre Zellen zurück.
11.: Athen: "Antistaatlicher Kampf" bekennt sich zu einem Brandanschlag auf einen Bus eines Zeitungsverlegers. "Diese Aktion geschah in Gedenken an den Stadtguerillero " Christos Tsoutsouvis und an den Tod von Ulrike Meinhof vor 20 Jahren."
11.: "Herzen der Revolutionären Gewalt" bekennen sich zu einem Sprengstoffanschlag auf das Büro der Hafenoberen in Piräus. Eine Erklärung, die sich auf die wegen den lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen streikenden ArbeiterInnen bezieht, wird veröffentlicht.
24.: Ein Sprengsatz verursacht hohen Sachschaden bei der Ventouris

Schifffahrtsgesellschaft in Piräus. Es geht um den Eigentümer der "Pegasos" auf dessen Schiff ein Arbeiter ermordet worden war.
24.: Während eines Solidaritätskonzertes für die Zapatistas kommt es vor der Schule der Schönen Künste in Athen zu Angriffen mit Steinen und Molotow Cocktails auf Nobelkarossen, Feuerwehrautos und die Aufstandspolizei. Linke und sich als Anarchisten bezeichnende Leute der Zeitung "alpha" schließen die Türen der Schule und setzen die Kämpfenden draußen damit der erhöhten Gefahr der Verhaftung aus.
24.: Polizisten der Personalgarde des Präsidenten prügeln Gäste einer Kneipe in Igoumenitsa (West Griechenland) und bedrohen sie mit ihren Waffen.

JUNI:

06.: Den ArbeiterInnen der Papierfirma Softex stehen die Löhne seit April aus. Sie werfen Eier und Tomaten auf das Industrieministerium.
08.: Zwei Ausbrecher aus Koridalos werden durch Schüsse an der Flucht gehindert.
14.: In einem Athener Stadtpark findet ein Anti-Maastricht Konzert statt. Die Australische Botschaft, die zentrale Opelkonzernverwaltung und Luxusautos werden mit Steinen und Mollis angegriffen. Auch ein Polizeiauto wird zerstört. Während den Auseinandersetzungen wird der 38 Jahre alte V. Dresios verhaftet.
19.: Aus Solidarität mit K. Kalaremas und S. Dapergolas werden während eins Konzertes auf der Uni von Zografou (Vorort von Athen) zwei Bullenautos vor der örtlichen Wache abgefackelt. Ein Polizist wird durch ein Gummigeschoß verletzt. "Freiheit für alle anarchistischen Gefangen" auch die Forderung, die unter anderem hinter vorausgegangen Brandanschlägen auf ein Bullenauto und einen Supermarktlaster stand.
20.: Unbekannte verbrennen in einem Athener Büro der Jugendorganisation der Regierungspartei PASOK deren Papiere.
23.: Das Auto des Staatssekretärs des Wirtschaftsministers fackelt ab (In Nikea, Piräus).
26.: "Hassausbruch" übernimmt die Verantwortung auf einen Anschlag auf ein Büro pensionierter Offiziere in Thessaloniki. (Da dürften etliche Folterer aus der Militärdiktatur dabei sein- Der Setzer).

JULI:

Ungefähr 30 Menschen greifen im Athener Zentrum Exarchia Kaffees der Mafiaallianz aus Bullen und Drogendealern und Bars an. Dabei werden 6 Menschen verhaftet und übel zusammengeschlagen. Gegen eine Kaution von zwei Millionen Drachmen werden sie am 09. freigelassen.

Quelle: A- News, Informations- Blatt aus Griechenland (Englisch) Anarchist Intervention, Anarchist Core "still unsubdued"

P.O. Box 30557 Athens 10033 Greece