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Nr. 42/2002 - 09.
Oktober 2002
Kritik an griechischen Medienberichten
TV total
Journalisten gehören
zu den beliebtesten Feinden der antiautoritären Szene in Griechenland,
und die Medien versäumen auch keine Gelegenheit, gute Gründe dafür
zu liefern. Man musste daher kein Hellseher sein, um zu ahnen, dass
die Terroristenhysterie, die derzeit in dem Land grassiert, weitere
Anlässe für eine Journalistenschelte bieten würde.
So rief das "Netz
für die Verteidigung der sozialen und politischen Rechte", eine
linke Rechtshilfegruppe, am Dienstag vergangener Woche zu einer
Demonstration gegen die strikten Haftbedingungen der Gefangenen
der Gruppe 17. November auf. Auch die Kriminalisierung der sozialen
Kämpfe und die zunehmende Überwachung der Gesellschaft wurden kritisiert.
In Presse- und
Fernsehberichten wurden die etwa 2 500 Demonstranten, die zumeist
aus dem anarchistischen Spektrum kamen, jedoch einhellig als "Unterstützer
von Terroristen" denunziert. Mit Schlagzeilen wie "Horror-Demo im
Zentrum von Athen" sollte ein diffuses Gefühl der Bedrohung geschaffen
werden.
Besonders allergisch
reagierten die "Telekannibalen", und die TV-Kommentatoren genannt
werden, als Abraham Lesperoglou vom Vorwurf des Polizistenmordes
entlastet wurde (Jungle World, 41/02). Die Enttäuschung war groß,
die Reaktionen waren heftig: Michalis Andreoulakos, Strafverteidiger
und Abgeordneter der konservativen Nea Dimokratia, erklärte in einer
Fernsehshow: "Was heißt es, dass Lesperoglou freigesprochen wurde?
Wissen Sie, wie viele meiner Klienten in meiner 35jährigen Karriere
freigesprochen worden sind, obwohl sie schuldig waren ?"
Selbst das Internet-Forum
indymedia-Athen, für das sich bislang zumindest in den bürgerlichen
Medien niemand interessiert hatte, wurde plötzlich als "Stimme des
17. Novembers" angegriffen.
In einigen Artikeln
wurde sogar gefordert, das Forum zu schließen und die Verantwortlichen
festzunehmen. Der Vorsitzende der Abteilung für Internet-Kriminalität
bei der griechischen Polizei, Manos Sfakianakis, fühlte sich auch
sofort berufen, den Anschuldigungen nachzugehen. Doch sein dilettantisches
Verhalten sorgte nicht für die gewünschten Beweise, sondern für
Unterhaltung. Er schickte unter einem falschen Namen der Redaktion
von indymedia eine E-Mail, um die Namen und Telefonnummern ihrer
Mitglieder zu erfahren. Allerdings übersah der Cyber-Spezialist,
dass die Abkürzung seines echten Namens seiner Mailadresse beigefügt
war. Die Enttarnung fiel deshalb nicht besonders schwer.
Aber nicht nur
die griechische Polizei macht sich mit ihren Methoden lächerlich.
Auch das Vorgehen der Medienkritiker kann Zweifel an ihrer Ernsthaftigkeit
hervorrufen. So profilierte sich die Gruppe Virus, die dem griechischen
Ableger von Attac nahe steht, mit einer Aktion im Zentrum von Athen.
Sie präsentierte dort auf einer großen Leinwand die Porträts einiger
Journalisten. Anschließend wurden die Passanten aufgefordert, sie
mit Joghurtbechern zu bewerfen. Andere Kritiker gehen noch wesentlich
rabiater vor. In der vergangenen Woche wurden mehrere Journalisten,
die über angebliche Unterstützer des 17. Novembers berichtet wollten
und die die Anwälte der Angeklagten belästigt hatten, verprügelt
und ihre Kameras zerschmettert.
harry ladis,
thessaloniki
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