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Böse Überraschung vor roter Ampel

Griechischer Gewerkschaftsvorsitzender in Athen zusammengeschlagen. Spekulationen um Täterschaft

Heike Schrader, Athen

Schwer zusammengeschlagen wurde am Dienstag abend im Zentrum von Athen der Vorsitzende des griechischen Gewerkschaftsdachverbandes der Arbeiter und Angestellten in der privaten Wirtschaft (GSEE). Während das Auto mit Christos Polyzogopoulos an einer roten Ampel wartete, griffen mehrere Dutzend, teilweise vermummte junge Leute mit Steinen und Stöcken den Wagen an. Sie zerrten den GSSE-Chef und seinen Begleiter, den Gewerkschaftssekretär Savas Robolis, aus dem Wagen und schlugen auf die beiden ein. Kurz bevor ganz in der Nähe befindliche Polizeikräfte am Tatort eintrafen, suchten die Täter erfolgreich das Weite. Die beiden Funktionäre mußten zur Behandlung in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht werden.

Die Attacke erfolgte just zu einem Zeitpunkt, an dem die Tarifverhandlungen der GSEE mit dem Unternehmerverband auf Hochtouren laufen. Zugleich steht die GSEE derzeit unter massiver Kritik von links wegen ihrer Teilnahme an Verhandlungen der sogenannten Sozialpartner: Gewerkschaft, Unternehmerverband und Regierung beraten über von der Kapitalseite geforderte »grundsätzliche Änderungen« bei den Arbeitsverhältnissen.

Über die Täter ist bisher nichts Sicheres bekannt. Einerseits deuten Hinweise auf die anarchistisch-autonome Szene Athens. Kurz zuvor hatte in der Innenstadt eine Solidaritätsdemonstration für drei seit sieben Monaten einsitzende Anarchisten stattgefunden. Zudem sollen die Angreifer Anrufe auf dem entwendeten Mobiltelefon von Polyzogopoulos mit dem Aufruf zur Freilassung der inhaftierten Anarchisten beantwortet haben. Dagegen beschuldigte ein Augenzeuge ausdrücklich zivile Sicherheitskräfte der Beteiligung an dem Überfall. Seiner Aussage nach sollen einige der Täter über Funkgeräte kommuniziert haben.

junge Welt, 02.02.2006