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Arbeiter
im "Gegenangriff"
Griechenland: Zehntausende
gegen Umverteilung von unten nach oben
Heike Schrader,
Athen Am Samstag fiel das sonst übliche Verkehrschaos in
Athen aus. Statt dessen zog ein riesiger Demonstrationszug von Zehntausenden
Arbeitern, Angestellten, Arbeitslosen und Studierenden durch die
Straßen der Innenstadt und am Parlament vorbei. Zum Auftakt der
anstehenden Tarifverhandlungen hatte dazu die kommunistisch orientierte
Gewerkschaft PAME aufgerufen. Sie wollte so insbesondere ein Zeichen
gegen die von der konservativen Nea-Dimokratia-Regierung forcierte
Umverteilungspolitik von unten nach oben setzen. Appelliert wurde
von den aus allen Landesteilen in die Hauptstadt angereisten Gewerkschaftern
- allein aus dem Norden kamen 200 Busse -, sich zusammenzuschließen
für einen "Gegenangriff der Werktätigen".
Auf Spruchbändern
forderten die rund 50 000 Demonstranten die Einführung der 35-Stunden-Woche,
einen Mindestlohn von 1 300 Euro, Mindestrenten von 1 050 Euro sowie
die Senkung des Rentenalters um jeweils fünf Jahre, das heißt auf
55 Jahre für Frauen und auf 60 Jahre für Männer. Die Generalsekretärin
der kommunistischen Partei (KKE), Aleka Papariga, rief Arbeiter
und Bauern auf, "ein Maximum einzufordern", wenn sie nicht "alles
verlieren" wollten.
Giorgos Mavrikos
vom PAME-Exekutivkomitee rief die Versammelten zum Widerstand gegen
die von Brüssel und Athen betriebene antisoziale und antidemokratische
Kahlschlagpolitik auf. "Die klassenbewußten Gewerkschaften haben
die Tradition, den Willen und die Kraft, die Interessen der Werktätigen
zu verteidigen", erklärte Mavrikos. Die PAME erkläre sich solidarisch
mit den Aufständischen von Paris und den anderen Städten der "kapitalistischen
Barbarei". Mavrikos: "Als Internationalisten verteidigen wir die
kubanische Revolution, stehen wir an der Seite Venezuelas und der
Völker von Syrien und Palästina."
"Solidarität ist
die Waffe der Arbeiter", erklärte auch Dora Mastrojianni für den
Betriebsrat des von Schließung bedrohten Textilherstellers Sex Form.
In ihrem seit 75 Tagen andauernden Kampf gegen den Verlust des Arbeitsplatzes
hätten die Arbeiterinnen gelernt, daß es notwendig sei, eindeutige
Forderungen zu stellen sowie eine gute Organisation und ein klares
Bewußtsein darüber zu besitzen, "wer der Feind und wer der Freund
ist". Die auch in Gewerkschaftskreisen verbreitete Logik, wonach
Wettbewerbsfähigkeit und Aufschwung zu Wohlstand für alle führen,
wurde in Sprechchören verurteilt: "Keine Opfer für die Plutokratie
und ihre Gewinne" und "Es gibt keinen menschlichen Kapitalismus,
unsere Zukunft heißt Sozialismus", hieß es.
Der Großkundgebung
war am Donnerstag ein landesweiter Ausstand im öffentlichen Dienst
vorausgegangen. Nun wurde für den 14. Dezember zu einem 24stündigen
Generalstreik in der Privatwirtschaft aufgerufen.
junge Welt vom
14.11.2005
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