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Europäisches Sozialforum
in Athen 2006


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»Wir wollen nicht systemintegrierend wirken«

Parallel zum 4. Europäischen Sozialforum findet in Athen eine »antikapitalistische Zusammenkunft« statt. Gespräch mit Antonis Draganigos

Antonis Draganigos sitzt für die »Neue Linke Strömung, NAR« im Vorbereitungskomitee der Zusammenkunft. Die NAR hat sich in den 90er Jahren aus der KKE (Kommunistische Partei Griechenlands) abgespalten

Die »Neue Linke Strömung« ist zusammen mit anderen Kräften der außerparlamentarischen Linken Gastgeberin der eines antikapitalistischen, antiimperialistischen Treffens, das dieser Tage parallel zum Europäischen Sozialforum in Athen stattfindet. Was ist das Ziel der Alternativveranstaltung?

Unser Ziel ist, antikapitalistisch und antiimperialistisch orientierte politische und soziale Kräfte aus Griechenland und dem Ausland zum Austausch von Erfahrungen und zur Entwicklung einer besseren Vernetzung und gemeinsamer Aktionen zusammenzubringen. Erste Schritte in dieser Richtung wurden schon bei früheren Aktionen im Rahmen der internationalen Bewegung gegen Globalisierung in Nizza, Prag oder Genua, aber auch im Widerstand gegen den EU-Gipfel 2003 in Thessaloniki geleistet.

Wer kommt zu dem Treffen?

Es nehmen Mitglieder von studentischen und Arbeiterorganisationen aus Frankreich teil, es kommen Abgesandte des Teils der Rifondazione Comunista Italiens, die sich gegen eine Regierungsbildung mit Romano Prodi gestellt haben, sowie Linke aus Belgien, Österreich, England und Holland. Aber auch aus anderen Teilen der Welt sind Gäste gekommen: Aus dem Nahen Osten nimmt die Irakische Patriotische Front teil, aus Indien Vertreter von Bauernorganisationen. Darüber hinaus können wir Genossen aus Nepal und den Philippinen, aus den USA sowie verschiedenen Ländern Lateinamerikas begrüßen.

Wir diskutieren unter anderem die europaweiten neokonservativen Angriffe auf die Errungenschaften der Arbeiterbewegung, die sogenannten Antiterrorgesetze, die geplante Verfassungsreform in Griechenland und ihre Beziehung zur EU-Verfassung. Großen Raum nimmt die Situation auf dem Balkan und im Nahen Osten ein. Letztlich geht es uns um den Aufbau einer internationalen, von allen Völkern getragenen Antikriegsbewegung.

Das will doch auch das Europäische Sozialforum (ESF). Warum bringen Sie Ihr Anliegen dort nicht ein?

Wir verstehen uns, genau wie das Europäische Sozialforum, als Teil einer internationalen Bewegung gegen Globalisierung und Krieg. Allerdings haben wir ein grundlegendes Problem mit der Ausrichtung und Praxis, die das ESF angenommen hat. Dort herrschen derzeit Kräfte vor, die mit einer Mitte-Links-Politik eine Integration des Widerstandes in die kapitalistische Logik betreiben. Dies gilt besonders für das derzeit stattfindende Forum in Athen. Dessen treibende Akteure sind systemintegrierende Kräfte wie die griechische Linksallianz »Synaspismos« und regierungsfreundliche Gewerkschaften vom Typ der Dachverbände GSEE und ADEDY. Dagegen wollen wir Akzente aus einem anderen Teil der Linken setzen. Wir haben kein Problem damit, wenn sich Menschen aus diesem Teil der Linken auch auf dem ESF einbringen. Unser Anliegen ist es aber, ein antikapitalistisches Bewußtsein in der Gesellschaft zu stärken und nicht als linkes Alibi für eine Reformbewegung zu dienen.

Wäre es nicht besser, linke Ansätze auf dem ESF einzubringen, als eine Art Gegenforum zu organisieren?

Wir suchen die Kommunikation mit all den im ESF involvierten Organisationen, aber auch mit Kräften, die wie die Kommunistische Partei Griechenlands außerhalb stehen. Wir agieren in der Arbeiterbewegung, sind involviert in Bürger- und Stadtteilinitiativen und werben dort innerhalb eines gemeinsamen Kampfes für unsere Strategie. Das ESF dagegen ist eine politische Manifestation einer anderen, begrenzten Strömung. Wir glauben nicht, daß es der richtige Weg ist, sich vorrangig an das Forum zu wenden, um unsere Ideen in der Gesellschaft und unter deren Aktivisten zu stärken. Wir möchten beispielsweise darüber beraten, ob die etwa 20 von uns mit initiierten linken Stadtteilinitiativen Athens nicht gemeinsam bei den im Herbst stattfindenden Bezirksratswahlen antreten sollen. Eine solche Diskussion ist natürlich nicht im ESF möglich, wenn dort die griechische Partei Synaspismos eine Hauptrolle spielt.

Das heißt aber nicht, daß wir uns gar nicht einbringen. Ein Teil unserer Mitglieder wird auf dem ESF vertreten sein, und wir werden am Samstag mit einem Block in der vom ESF veranstalteten Demonstration teilnehmen.

Interview: Heike Schrader, Athen