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Befehle aus London  

 

Ausland Heike Schrader, Athen  

 

Griechischer Minister gesteht vor Parlament massenhafte Kontrollen von Ausländern ein. Jagd auf »Terrorverdächtige« im Auftrag des britischen Geheimdienstes  

Auf Wunsch des britischen Geheimdienstes MI6 hat die griechische Polizei massenhaft Ausländer verhört. Das gestand der Minister für öffentliche Ordnung, Georgios Voulgarakis, am Mittwoch vor dem Parlament in Athen ein.

An über 1000 Straßensperren wurden demnach im vergangenen Juli und August 5432 Menschen kontrolliert. Von den dabei überprüften 2172 Ausländern wurden 1221 verhaftet, kein einziger jedoch im Zusammenhang mit den kurz zuvor erfolgten Terroranschlägen in London. Diese hatten als Begründung für das Hilfeersuchen des britischen Geheimdienstes gedient.

Der Minister war vom Parlament vorgeladen worden, um zu Verschleppungen und Vernehmungen von pakistanischen Migranten in Griechenland Rede und Antwort zu stehen. Ende Dezember war die Entführungen von 27 Pakistanis durch britische und griechische Geheimdienstagenten bekannt geworden. Das Vorgehen der Geheimdienste hatte in der griechischen Öffentlichkeit heftige Empörung hervorgerufen.

Während die griechische Staatsanwaltschaft inzwischen ermittelt, streitet die Regierung weiterhin jede Beteiligung eigener Sicherheitskräfte an den illegalen Verhören ab. Voulgarakis ging sogar soweit, die Entführungen selbst anzuzweifeln. Für ihn sind die Berichte der betroffenen Pakistaner nichts als »Provokationen«. Als »verbrecherisch und unverantwortlich« bezeichnete der Minister im Parlament die Veröffentlichung der Namen von Agenten, die vermutlich in die Entführungen verwickelt waren, durch die Presse. Dadurch seien »deren Familien in Gefahr gebracht und dem Land große Probleme bereitet worden, weil kein ausländischer Dienst mehr mit dem (griechischen Geheimdienst) EYP zusammenarbeiten will«. Auch stritt Voulgarakis kategorisch die Existenz der von den linken Oppositionsparteien KKE und Synaspismos beanstandeten Geheimabkommen zwischen Griechenland und anderen EU-Staaten mit den USA ab. Er stellte allerdings die Frage, ob »in der angespannten Situation nach den Angriffen in New York, Madrid und London ein zuständiger Minister die Bitte nach Unterstützung hätte ablehnen können«. Die Frage beantwortete er gleich selbst – mit einem »Nein«.