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19.11.04, neues deutschland


Griechische Linke gedenkt Opfern von 1973

Demonstration zum Jahrestag der Stürmung der Politechnion/Protest gegen Irak-Besetzung 

Von Anke Stefan, Athen 
Am 17. November 1973 stürmten Polizei, Soldaten und Panzer des Obristenregimes in Griechenland die Athener Hochschule Politechnion. Zuvor war die Hochschule drei Tage lang von Studierenden und Arbeitern aus Protest gegen die Militärjunta besetzt gewesen. Bei der gewaltsamen Räumung wurden 12 Menschen ermordet und mehrere Hundert verletzt.

An den Jahrestagen des Aufstandes der Politechnion gegen die Militärdiktatur finden seit dem Sturz der Junta 1974 Gedenkveranstaltungen statt. 1980 kam es dabei erneut zu Toten und Verletzten, als die konservative Nea Dimokratia Regierung unter Vorsitz des gleichnamigen Onkels des heutigen Ministerpräsidenten Kostas Karamanlis, die Demonstration der Linken Athens zur Botschaft der USA mit Waffengewalt auflösen lies.
Auch dieses Jahr ruhte von Montag bis Mittwoch der Lehrbetrieb auf dem Gelände der Politechnion. Stattdessen hatten so ziemlich alle Gruppen, Grüppchen und Organisationen aus dem linken Spektrum Griechenlands Stände im Innenhof der Hochschule errichtet. Marxistisch-leninistische, Stalinistische und Trotzkistische Parteien, Anarchisten, Studierendenorganisationen, die Friedensbewegung, die Initiative Genua 2001, das griechische Sozialforum, alle waren vertreten. Als die Tore der Hochschule am Mittwochmittag für die Öffentlichkeit geschlossen wurden, war das Mahnmahl für die Toten Widerstandskämpfer bereits über und über mit Kränzen und Blumen, vorwiegend roten Nelken bedeckt, die von den Tausenden von Besuchern niedergelegt worden waren.
Abschluss und Höhepunkt der Gedenktage bildete der jährliche Demonstrationszug am 17. November von der Politechnion bis zur Botschaft der USA. Tausende Aktivisten der parlamentarischen und außerparlamentarischen Linken marschierten durch die für den Verkehr gesperrte Athener Innenstadt. Auf Transparenten und in Sprechchören verurteilten die Demonstranten die Besetzung des Irak und forderten Freiheit für Palästina. Gegen die Politik von USA und Nato aber auch gegen die von steigender Arbeitslosigkeit und Verarmung der Bevölkerung gekennzeichnete Politik der Nea Dimokratia Regierung forderten Sprechchöre die Menschen zum Widerstand auf. Vor die Botschaft der USA skandierte die Menge: "1973 haben die da drinnen unsere Geschwister ermordet ." Trotz der angespannten Stimmung ging die Demonstration - von einigen Steinwürfen abgesehen - ohne Zwischenfälle zu Ende.