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junge Welt, 02.02.2004
Heike Schrader ,
Athen
Wortmeldung aus
unterirdischer Isolation
Griechenland:
Erster gemeinsamer Aufruf von 17N-Gefangenen.
Für Aufhebung der
Sonderhaftbedingungen
Anderthalb Monate
nach Beendigung des Gerichtsverfahrens, mehr als anderthalb Jahre
nach ihrer Verhaftung und etwa ein Jahr vor Beginn der Berufungsverhandlung
veröffentlichten neun der 15 Gefangenen aus dem Prozeß
der 17N (Revolutionäre Organisation 17. November) in Griechenland
am Freitag vergangener Woche ihre erste gemeinsame Erklärung. Am
Samstag meldeten sich drei der ursprünglich genannten Unterzeichner
über ihre Anwälte zu Wort, sie hätten den Aufruf nicht unterschrieben.
In ihrer Erklärung, die in der griechischen Tageszeitung Elefterotypia
(Freie Presse) veröffentlicht wurde, bewerteten die Gefangenen die
Gerichtsverhandlung als "politischen Prozeß ",
dessen Ausgang von vornherein feststand. Das Urteil sei unter Mißachtung
selbst der bürgerlichen Gesetzgebung zustande gekommen. Es beruhe
einerseits auf später widerrufenen Aussagen, die den Gefangenen
in mehreren Fällen auch unter Einfluß
von Drogen abgepreßt worden seien. Andererseits
stütze es sich auf die Aussagen der drei Kronzeugen, die sich dazu
hergegeben hätten, Lügen zu beeiden. "Auf diese Weise kam es zur
Verurteilung einiger Angeklagter, die völlig unschuldig waren, und
anderer, die an den Taten der 17N nur in sehr geringer Weise beteiligt
waren ."
Des weiteren wandten sich die Gefangenen
gegen die auf ihre "Vernichtung zielenden" Haftbedingungen in den
unterirdischen Isolationszellen und ihre geplante Verlegung in einen
eigens dafür im Bau befindlichen Hochsicherheitstrakt in Larisa ,
etwa 350 Straßenkilometer von Athen entfernt. In der Erklärung betonten
die Unterzeichner, daß sie sich als politische
Gefangene betrachteten, "unabhängig von der Haltung des einzelnen
vor Gericht". Sie wandten sich an "das griechische Volk" und "fordern
es auf, seine politische Unterstützung auf jede beliebige Weise
zum Ausdruck zu bringen".
Der Beginn des Berufungsverfahrens wird
für das Jahr 2005 erwartet. 14 der 15 Verurteilten haben Anträge
auf ein erneutes Verfahren gestellt. Der Staatsanwalt beantragte
zudem Berufung im Fall von zwei der vier Freigesprochenen, darunter
Giannis Serifis , der bereits für Anschläge
des "Revolutionären Volkskampfes" ( Epanastatikos
Laikos Agonas ,
ELA) angeklagt und nach 18monatiger Untersuchungshaft freigesprochen
worden war. Nun soll er auch für das in diesem Februar angesetzte
Verfahren gegen mutmaßliche Mitglieder des ELA erneut als Beschuldigter
vernommen werden.
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