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junge Welt, 28.09.2004

Heike Schrader , Athen  

Hungerstreik für ein Stück Himmel  

Politische Gefangene in Griechenland wehren sich gegen unmenschliche Haftbedingungen  

Mit Christodoulos Xiros befindet sich seit Samstag der dritte politische Gefangene in Griechenland im Hungerstreik. Nachdem Eingaben an den griechischen Justizminister, den Bürgeranwalt des Landes und den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte keine Verbesserungen der Haftbedingungen brachten, hatte als erster der im Prozeß gegen mutmaßliche Mitglieder der "Revolutionären Organisation 17. November" (17N) zu lebenslangem Gefängnis verurteilte Vasilis Tzorzatos am 9. August die Aktion gestartet.

Seit ihrer Verurteilung im Dezember vergangenen Jahres wehren sich die insgesamt 14 Gefangenen der 17N gegen die für sie geltenden "Sonderhaftbedingungen" im Gefängnis von Koridallou . Obwohl es keine gesetzliche Grundlage dafür gibt, werden sie von anderen Inhaftierten isoliert. Ihre Zellen sind fensterlos, Besuche sind nur Angehörigen gestattet. Der Hofgang der 17N-Gefangenen erfolgt in einem nur 50 Quadratmeter großen Innenhof mit einem Dach aus blickdichtem Maschendraht.

Nach einem Besuch des griechischen Justizministers am 3. September war für wenige Tage ein Stück der zehn Meter hohen Mauer des Hofes entfernt worden. Durch das "Fenster" konnten die Gefangenen erstmals seit Jahren ein Stück Himmel sehen. Kurz darauf wurde die Lücke jedoch wieder mit Stahlblechen verschlossen. Als Reaktion kündigten die sechs zu lebenslang Verurteilten ihre schrittweise Teilnahme an einem unbefristeten Hungerstreik an. Eine Woche vor Christodoulos Xiros war Dimitris Koufontinas in den Hungerstreik getreten. Jede Woche will sich nun ein weiterer Gefangener dem Hungerstreik anschließen.