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junge Welt vom 20.10.2004

Ein Stück Himmel erkämpft

Heike Schrader, Athen

Mit der Aussicht auf weitere Verbesserungen ihrer Haftbedingungen beendeten sieben der acht hungerstreikenden politischen Gefangenen in Griechenland am Montag ihre Protestaktion. Zuvor waren auf Anweisung des griechischen Justizministers das Dach und der obere Teil der Mauer des Hofes entfernt worden, auf dem die Gefangenen ihren "Freigang" durchführen. Stellvertretend für alle erklärte Dimitris Koufontinas das Ende des Hungerstreiks nach 31 Tagen mit ersten Anzeichen für das Einlenken des Justizministeriums:

"Mit der Hilfe all derer, die solidarisch zu uns standen, haben wir dem griechischen Volk die Wahrheit über die Haftbedingungen der politischen Gefangenen vor Augen geführt."

Seit Beginn des Hungerstreikes am 18. September hatte die Linke in Griechenland fast täglich auf die Situation der politischen Gefangenen aufmerksam gemacht. Die Bandbreite der Aktionen reichte von Kundgebungen und Demonstrationen in mehreren Städten des Landes über Parolen auf Hauswänden und Bussen des öffentlichen Nahverkehrs bis hin zu Attacken mit Molotow-Brandsätzen gegen Banken und Einrichtungen des griechischen Staates.

In den letzten Tagen, als der Zustand einiger Hungerstreikenden kritisch wurde, mehrten sich auch kritische Stimmen aus dem bürgerlich-demokratischen Spektrum. Sprecher der linken Oppositionsparteien, Intellektuelle sowie die Anwaltskammer Athens bezeichneten die "Sonderhaftbedingungen" für die politischen Gefangenen als unmenschlich und unvereinbar mit dem Gesetz. In einer öffentlichen Erklärung weigerte sich die Ärztekammer Athens, der Forderung der Staatsanwaltschaft nach Zwangsernährung der ins Krankenhaus eingelieferten Gefangenen nachzukommen.

Für Gianna Koutrovik, Anwältin von Dimitris Koufontinas, reichen die jetzigen Zugeständnisse des Justizministers nicht aus: "Die wichtigste Forderung nach Aufhebung der Isolation der Gefangenen wurde nicht erfüllt".

Die in mittlerweile fünf Gefängnissen zur Verbesserung der Haftbedingungen und aus Solidarität mit den "Politischen" begonnenen Proteste dauern an.