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junge Welt vom 07.10.2005

"Isolation in der Isolation"

Griechisches Gericht lehnte Antrag auf Haftverschonung für schwerkranken politischen Gefangenen ab

Heike Schrader, Athen

Als "unzulässig" hat ein Athener Gericht am Mittwoch den Antrag von Savas Xiros auf Haftverschonung aus gesundheitlichen Gründen zurückgewiesen. Es sei nicht zuständig, ließen die Richter verlauten, da derzeit noch nicht über die Teilnahme des Antragstellers an der im Dezember anstehenden Berufungsverhandlung in seinem Fall entschieden sei.

Der im Dezember 2003 im Prozeß gegen mutmaßliche Mitglieder der griechischen Stadtguerillaorganisation 17N zu sechsmal lebenslängliche Haft verurteilte Mann war im Juni 2002 festgenommen worden, nachdem eine Bombe in seinen Händen explodiert war. Seither beklagten Ärzte und Anwälte, daß keine ausreichenden Anstrengungen unternommen worden waren, um die Gesundheit des Schwerverletzten so weit wie möglich wieder herzustellen. So sei eine wichtige Augenoperation viel zu spät erfolgt, so daß Savas fast vollständig erblindet ist.

Während des bisherigen Gefängnisaufenthalts hat sich der Zustand des Verurteilten dramatisch verschlechtert. Nach Aussagen der Ärzte wird Xiros auch die ihm auf einem Auge noch verbliebenen zehn Prozent Sehfähigkeit verlieren, wenn er nicht sofort zu medizinischer Behandlung in ein Krankenhaus verlegt wird. Der zusammen mit anderen politischen Gefangenen in Kleingruppenisolation gehaltene Gefangene leidet über Erblindung hinaus an Taubheit, Schwindelanfällen, Asthma und zeitweisen Bewußtseinsstörungen.

Als Zeuge erklärte der inzwischen aufgrund schwerer Herzstörungen aus dem Gefängnis entlassene Christos Tsigaridas vor Gericht, das Savas Xiros außerstande ist, auch nur am eingeschränkten gesellschaftlichen Leben der Kleingruppe teilzunehmen. Der ehemalige Mitgefangene betonte, Savas lebe im Gefängnis eine "Isolation in der Isolation". Darüber hinaus sei es ihm nicht möglich, die einfachsten Verrichtungen des täglichen Lebens selbständig vorzunehmen. Die Betreuung rund um die Uhr durch seinen ebenfalls einsitzenden Bruder Christodoulos Xiros sei kein ausreichender Ersatz für eine dringend notwendige medizinische und psychologische Behandlung des Schwerkranken.