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Ausbeutung, die in die Katastrophe mündete

Zur Wirtschaftspolitik der deutschen Besatzer in Griechenland 1941-1944

Von Martin Seckendorf

Referat auf dem Kongress für griechische Entschädigungsforderungen gegenüber Deutschland, 2. bis 4. Dezember 2005, Athen

Als die deutsche Führung im November 1940 entschied, Griechenland im Frühjahr 1941 aus politischen und militärstrategischen Gründen zu überfallen, wurde zugleich beschlossen, das zu unterwerfende Land und seine Bewohner restlos für die deutsche Kriegswirtschaft und die Versorgung der deutschen Truppen in Griechenland zu nutzen. Mit diesem am 17. Januar 1941 gefassten Entschluß, wurde der Weg eingeschlagen, der in eine nachhaltige Zerstörung der griechischen Wirtschaft und Währung mit katastrophalen Folgen für die Bevölkerung mündete.

Nach der Unterwerfung Griechenlands zerstückelten die Deutschen das Land in drei Besatzungszonen:

Bulgarien erhielt für seine Vasallendienste beim deutschen Überfall ein Gebiet im Nordosten Griechenlands, das etwa 15 Prozent des griechischen Territoriums ausmachte. Das Gebiet war reich an Rohstoffen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen und wichtig für die Lebensmittelsituation in Griechenland. Obwohl die Bulgaren das Land schnell annektieren und bulgarisierten, erhielten sie nur eine eingeschränkte Souveränität. Die deutsche Wirtschaft hatte sich die ökonomische Nutzung vorbehalten. Es ging vor allem um Tabak, Baumwolle, Naturseide und Erze.

70 % des griechischen Territoriums wurden den Italienern zur polizeilichen Sicherung übergeben. In diesen Gebieten lagen bedeutende wirtschaftliche und logistische Interessen der Deutschen (Chrom, Bauxit, der Nachschubweg nach Kreta und lange Zeit nach Nordafrika) Die deutsche Industrie hatte sich vertraglich die Ausbeutung der italienischen Zone gesichert. Die Vertretung der deutschen Interessen in diesem Gebiet, für das Deutsche und Italiener eine Kollaborationsregierung einsetzten, sollte ein Reichsbevollmächtigter wahrnehmen.

Die deutsche Zone umfasste 12% des griechischen Festlandes und zwei Drittel Kretas. Sie war von politisch herausgehobener Bedeutung und entsprach den deutschen Wünschen nach Erringung von militärischen Stützpunkten und Absprungbasen.

Die für die Wirtschaftspolitik, für die ökonomische Ausnutzung des besetzten Landes wichtigste Behörde war die Zweigstelle des Wehrwirtschafts- und Rüstungsamtes im OKW bei der 12. Armee. In diese bereits im Januar 1941 gebildete Einrichtung waren in erheblichem Umfang Spitzenkräfte der deutschen Privatwirtschaft integriert. Die Organisation konnte sich auf seit längerer Zeit vorbereitete Unterlagen stützen. Die Wehrwirtschaftsorganisation hatte die Aufgabe, schnellstmöglich alles Brauchbare, alle Vorräte an Lebensmitteln, Treibstoffen, agrarischen und mineralischen Rohstoffen und Tabak sowie Bergbau- und Industriebetriebe zu erkunden und zu beschlagnahmen. Aus dieser Organisation entstanden im Juni 1941 bodenständige Wehrwirtschaftsdienststellen.

Wirtschaftspolitik bis 1943

In der Wirtschaftspolitik der Besatzer sind bis zur Kriegswende 1943 zwei Phasen zu erkennen.

Die erste Phase, die etwa bis August/September 1941 reichte, war eine Zeit des offenen, unverhohlenen Raubes. In hektischem Tempo wurde alles beschlagnahmt, was von Nutzen schien. Die Plünderungsaktionen wurden unter dem weit ausgelegten militärischen Begriff "Beute" durchgeführt. Darunter faßten die Deutschen Rohstoffe, Halbfabrikate, Lebens- und Genußmittel, Treib- und Schmierstoffe, wertvolle Maschinen sowie Transport- und Zugmittel. Zusammenfassende Zahlen über die Ergebnisse dieses ersten Beutezuges sind kaum zu erhalten. Die überlieferten Dokumente lassen aber Rückschlüsse auf dessen Dimension zu. Der Oberfeldzeugstab 4 bei der 12. Armee meldete bis zum 23. Juni 1941 seien von der erfaßten Beute 111 Eisenbahnwaggon und zwei Schiffe mit je 679 t. nach Deutschland gebracht worden. Nach einem äußerst unvollständigem Bericht des Verbindungsoffiziers des Wehrwirtschafts- und Rüstungsamts des OKW bei der 12. Armee wurden zwischen dem 1. Mai und dem 30. September 1941 neben großen Mengen Erzen auch 5000 t Baumwolle, 80000 t Tabak, 10500 t(!) Olivenöl und 305 t Seidenkokons abtransportiert. Zu den Beschlagnahmungen gehörten auch 40 Tonne Silbergeld.

Mit Beginn des Überfalls versuchten die Deutschen vor allem über Manager der Privatwirtschaft in Uniform die Produktionsstätten, die Farmen, Minen und Fabriken in ihre Gewalt zu bringen. Der Beauftragte des Kruppkonzerns in Athen meldete nach Essen, in der Zeit vom 1. bis 10. Mai 1941 habe die gesamte griechische Bergbauproduktion "für Deutschland gesichert". Von besonderer Bedeutung erschien den Deutschen dabei die Kontrolle über die Elektrizitätserzeugung und -versorgung sowie über alle griechischen Mineralölgesellschaften und vor allem über die Banken.

Am 9. Juni 1941 formulierte der Handelsattache beim "Reichsbevollmächtigten", Höfinghoff, noch einmal die Aufgaben, die den deutschen Dienststellen in der ersten Phase übertragen worden waren und berichtete über den Stand der Erfüllung. Die Aufgabe, "Sicherstellung aller uns interessierenden Rohstoffe und Wirtschaftsbetriebe" könne "als gelöst betrachtet" werden.

Neben dem unverhohlenen Raub und dem - weitgehend gelungenen - Versuch, die  Verfügungsgewalt über die griechische Wirtschaft zu erhalten, war diese Phase auch gekennzeichnet von einer aktiven Deindustriealisierungspolitik. Auf Initiative der deutschen Großwirtschaft wurde den griechischen Betrieben von deutschen Besatzungsbehörden die Rohstoffe und Halbfabrikate durch Beschlagnahmungen entzogen, so dass sie geschlossen werden mußten. Die deutsche Privatwirtschaft wollte auf diese Weise an die begehrten Rohstoffe gelangen und gleichzeitig für die deutsche Fertigwarenindustrie lästige Konkurrenten beseitigen.

Kaufmännisch korrekt über die Drachme

In der folgenden Periode wurde die ökonomische Ausnutzung planmäßiger gestaltet mit dem Ergebnis, dass dem Land noch mehr Güter, Dienstleistungen - z.B. Transportleistungen -, Zahlungsmittel und Anlagenwerte entzogen wurden. Da der größte Teil des Entzugs als Export über den Außenhandel abgerechnet wurde, der weiterhin auf devisenlosem Verrechnungsverkehr, dem Clearingsystem basierte, erhielt der Raub einen kaufmännisch korrekten Anstrich.

Im Mittelpunkt des "Außenhandels" standen Erze, vor allem Chrom und Bauxit, die für Deutschland mit zunehmender Kriegsdauer immer bedeutender wurden. Die griechischen Chromlieferungen deckten 1942 fast 40 Prozent und die Bauxitlieferungen 25 % der deutschen Gesamteinfuhr an diesem Metall. Hauptverantwortlich für die Förderung und den Abtransport der Rohstoffe, zu denen noch in beträchtlichem Umfang Blei, Zink, Nickel und Schwefelkies gehörten, blieb die Wehrwirtschaftsorganisation der Wehrmacht, die auch weiterhin als Vollzugsorgan der deutschen Wirtschaft tätig war. In einem Bericht des Wirtschaftskommandos Saloniki heißt es, Hauptaufgabe der Dienststelle bleibe "die Erfassung, Sicherstellung und der Abtransport von Rohstoffen nach Deutschland. Hauptausfuhrgüter sind: Erze, Tabak, Baumwolle, Wolle und Seidenkokons."

Die Bezahlung der abtransportierten Güter erfolgte formal über Verrechnungskonten. Da der Abtransport aus Griechenland wert- und mengenmäßig ständig gesteigert wurde, von deutscher Seite aber kaum Gegenlieferungen erfolgten, entstand sehr bald ein Minussaldo auf deutscher Seite, der fast 50% des gesamten Umsatzes (Export und Import) nämlich etwa 70 Mio. RM ausmachte.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang für unser gegenwärtiges Thema eine Meldung des "Reichsbevollmächtigten" in Athen vom 13. November 1942 nach Berlin, das griechische Guthaben werde auf ein Sonderkonto übertragen, dessen Regelung nach Kriegsende erfolgt. - Auf die damals zugesagte Regelung wartet Griechenland noch heute. Ohne die übliche Verzinsung hätte das Guthabenkonto der Griechen allein aus dem Verrechnungsverkehr im Außenhandel gegenwärtig einen Wert von über 350 Millionen Euro. 

Ab Juli 1941 nutzte die Wehrmacht auch Produktions- und Reparaturkapazitäten. Im Juli 1942 waren 335 Betriebe im ganzen Land - auch in der italienischen Zone - für die Wehrmacht tätig.

Besatzungskosten

Eine besonders drückende Belastung die Besatzungskosten. Zunächst bezahlten die Okkupanten den Unterhalt und die Unterkunft der Truppen mit einer Ersatzwährung, den Reichskreditkassenscheinen. Ab August 1941 mußte Griechenland Besatzungskosten zahlen, deren Höhe bis Ende 1942 nach dem "Bedarf" der deutschen und italienischen Behörden monatlich festgelegt wurde. Der deutsche Anteil stieg sprunghaft an. In Reichsmark umgerechnet mußten die Griechen folgende Beträge bezahlen: 1 Mrd. Reichsmark bis Ende 1941 (darunter 170 Millionen Reichsmark für die erwähnte Ersatzwährung - Reichskreditkassenscheine), 1942 wurden 2,61 Mrd. Reichsmark gezahlt. Dieser Summe stand im gleichen Zeitraum ein griechisches Volkseinkommen (Summe der produzierten Güter und Dienstleistungen) in Höhe von 756 Millionen Reichsmark gegenüber. Nach einer Aufstellung der Reichsbank vom 9. April 1943 lag die monatliche Prokopfbelastung in Griechenland durch die Besatzungskosten bei 78 Reichsmark. Das war zu diesem Zeitpunkt die höchste Belastung der Zivilbevölkerung durch Besatzungskosten in allen besetzten Gebieten. Die Besatzungskosten wurden entgegen der "Haager Landkriegsordnung" vom 18. Oktober 1907 Artikel 48, 49 und besonders 52, in denen vorgeschrieben war, bei Erhebung von Abgaben die Verhältnismäßigkeit in Bezug zu den Hilfsquellen des jeweiligen Landes zu wahren, so hoch angesetzt und stiegen fortlaufend, dass der Zusammenbruch von Wirtschaft und Währung in kürzester Zeit zu erwarten gewesen war. Die Besatzungskosten waren auch deshalb so hoch, weil die Deutschen ein hochbezahltes Heer von Spezialisten für die Kriegführung in Nordafrika und Nahost unterhielten, die Truppen aus dem Lande verpflegt wurden und gewaltige Programme für den Schiffsbau sowie den festungsmäßigen Ausbau des Landes und der Inseln mit den zur Verfügung gestellten Mitteln bezahlten. Über Besatzungskosten wurden Ausgaben finanziert, die mit der eigentlichen Besetzung des Landes nichts zu tun hatten.

Die Kollaborationsregierung preßte die Leistungen über die Ausdehnung des Banknotenumlaufs aus dem Volk. Hohe Preissteigerungen und zunehmende Verelendung des Volkes waren die Folgen. Trotz zahlreicher Warnungen bestand die deutsche Führung darauf, die steigenden Besatzungskosten ohne Rücksicht auf den sich abzeichnenden Zusammenbruch von Wirtschaft und Währung abzufordern. Der deutsche Außenminister ordnete am 30. September 1942 an, der entscheidende Gesichtspunkt sei, dass die Finanzierung der militärischen Ausgaben "in vollem Umfange gewährleistet bleibt ... auch die sonstigen, für die weitere Kriegführung wichtigen Bau- und sonstigen Kosten in Griechenland müssen weiterhin reibungslos finanziert werden können". Als die Wehrmacht für Oktober 1942 die Rekordsumme von 31 Milliarden Drachmen forderte - im August hatte die Anforderung 20 Milliarden Drachmen betragen - wurde das damit erklärt, "dass auf Grund eines Führerbefehls der beschleunigte Ausbau der Festung Kreta und Bauvorhaben der Marine in Griechenland ohne Rücksicht auf die Höhe" der Besatzungskosten durchzuführen seien. Zu der schweren Belastung ernteten die Griechen noch den Hohn. Hitler hatte Anfang September 1942 entschieden, nicht mehr den Begriff Besatzungskosten, sondern den Terminus Aufbaukosten "oder einen ähnlichen" zu verwenden.

Erhebliche Folgen hatte der deutsche Raub, der bis zum Ende der deutschen Herrschaft anhielt, für die Ernährungslage. Noch am 4. August 1944 gab der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe E, Löhr, die Richtlinie heraus, ohne Rücksicht auf die Bevölkerung "aus dem Lande noch herauszuholen, was möglich ist". Durch den Raub der gerade zu Kriegszeiten wertvollen Rohstoffe, Tabake und Olivenöle fehlten Griechenland die Tauschwaren zum Import von Lebensmitteln, die es aufgrund der Wirtschaftsstruktur auch schon vor dem Krieg einführen mußte. Selbst auf dem Höhepunkt der seit Herbst 1941 einsetzenden Hungerkatastrophe, der mehrere Hunderttausend Menschen zum Opfer vielen, wurden dem Land weiterhin Nahrungsmittel entzogen. Der Wehrwirtschaftsoffizier Athen berichtete, dass die extrem hohe Sterblichkeit - die Säuglingssterblichkeit lag z.B. bei 80 Prozent - vor allem auf das Fehlen von Fett zurückgeführt werde. Gleichzeitig zitierte er Weisungen Berliner Stellen an ihn, zur besseren Versorgung der deutschen Bevölkerung große Mengen an Olivenöl zu liefern. Nachdem der Befehlshaber Saloniki - Ägäis am 3. Dezember 1941 die Versorgungslage der Griechen als "unvorstellbar" bezeichnet hatte, fügte er hinzu, die Wehrmacht entnehme trotzdem laufend Lebensmittel aus dem Lande. Mindestens 1.500 Rinder würden monatlich aus dem Befehlsbereich gezogen.

Sichtbare Auswirkung dieser enormen Belastung war eine schon 1941 einsetzende in der europäischen Geschichte beispiellose Inflation. Setzt man den Index der Lebensmittelpreise für 1939 mit 100 an, so betrug er am 31. Dezember 1941 schon 4515. Der Befehlshaber Saloniki - Ägäis meldete für den Zeitraum vom 8. April bis 10. November 1941 "eine durchschnittliche Preissteigerung um das 11fache". Der Stabschef des Befehlshabers Südgriechenland berichtete am 17. September 1942 folgende Zahlen über die Preisentwicklung: "Die allgemeine Versorgungslage der Bevölkerung ist nach wie vor trostlos. Während die Gehaltserhöhungen das 6 - 8fache betragen, sind die Preise für Bedarfsgüter ... um das 100 - 250fache gestiegen. 1 Oka (1,28 Kilogramm - M.S.) Olivenöl kostet heute 13000 Drachmen - rd. 217,00 RM, im Frieden 1,00 RM." Dabei wurde das Mißverhältnis zwischen Preis und Lohn immer größer.

Bis zum Herbst 1942 hatten die Besatzer das Land derart ruiniert, dass der Bezug von Rohstoffen und Lebensmitteln aus Griechenland wegen der enormen Inflation und der deutschen Schulden im Außenhandel "legal" nicht mehr möglich war, die Verelendung ungeahnte Ausmaße angenommen hatte und auch dadurch der Widerstand zu einer für die Besatzer militärisch gefährlichen Größe angewachsen war. Am 17. September 1942 wurde als Reaktion auf diese Entwicklung die Deutsch-griechische Warenausgleichgesellschaft m.b.H. (DEGRIGES) gebildet. Die Gesellschaft, eine Gründung der deutschen Privatwirtschaft, war mit dem staatlichen Außenhandelsmonopol ausgestattet. Die DEGRIGES manipulierte bei der Verrechnung im Außenhandel die Preise. Griechische Ausfuhrgüter nach Deutschland wurden preislich extrem gesenkt und die Preise für deutsche Güter, die nach Griechenland eingeführt werden sollten, stark erhöht. Das hatte vor allem zwei Effekte:

- Die deutsche Wirtschaft erreichte sowohl bei der Einfuhr als auch bei der Ausfuhr große finanzielle Vorteile, die Schleusungsgewinne genannt wurden.

- Wegen der künstlichen Preisveränderungen wurde der Außenhandelssaldo für Deutschland aktiv. Aus 71 Millionen Reichsmark Schulden im Jahr 1942 wurden im Verrechnungsjahr 1943 urplötzlich 20 Millionen Reichsmark Guthaben für die Deutschen - ein Hinweis auf die Größenordnung der Preismanipulationen. Um die "Schulden" abzubauen waren die Griechen gezwungen, mehr Waren nach Deutschland zu exportieren. Der Bezug der griechischen Güter war rechnerisch gesehen wieder gesichert.

In engem Zusammenhang mit der Bildung der DEGRIGES stand die Berufung des ehemaligen Wiener Bürgermeisters und langjährigen Vertrauensmannes des IG-Farbenkonzerns, Hermann Neubacher zum "Sonderbeauftragten des Reiches für wirtschaftliche und finanzielle Fragen in Griechenland". Er  sollte durch fiskalische Maßnahmen und Appelle an die Militärs zur Mäßigung bei deren Ausgabenpolitik sowie durch Druck auf die Kollaborationsregierung die Hyperinflation bremsen, die Drachme als Zahlungsmittel erhalten, um den steigenden Bedarf der Wehrmacht, der Rüstungsindustrie und der Rohstoffwirtschaft weiterhin ganz legal über die Währung befriedigen zu können.  

Wirtschaftspolitik nach der Kriegswende

Ein Schwerpunkt der Wirtschaftspolitik nach der Kriegswende war das Bemühen der Besatzer, vermehrt  Rohstoffe zu gewinnen. Vor allem Chrom erhielt durch für die Deutschen verschlechterte Kriegslage erhebliche gewachsene Bedeutung. Zwischen Mai 1941 und November 1944 wurden ca. 28.000 Tonnen reines Chroms aus Griechenland abtransportiert. Diese Menge deckte ein Viertel des gesamten deutschen Bedarfs an dem Metall in dem genannten Zeitraum. Die Ausbeutung und der Abtransport der Rohstoffe wurden ab Mitte 1943 zunehmend von den Partisanen behindert.

Wachsende Belastungen für die Griechen ergaben sich auch aus den Anforderungen für riesige Festungsbauprogramme und für den Unterhalt der seit Frühjahr 1943 beträchtlich vergrößerten Besatzungsarmee. Den gestiegenen Bedarf an Arbeitskräften, Baustoffen, Energie, Lebensmitteln sowie Produktions- und Reparaturkapazitäten deckten die Besatzer weiterhin vorwiegend über die Drachme. Seit dem 13. Oktober 1942 erfolgte nur noch ein Teil der Drachmenlieferungen als Besatzungskosten. Der andere Teil mußte die Kollaborationsregierung den Besatzern als "Kredit" gewähren. Der Drachmenumlauf erreichte astronomische Größenordnungen. Gleichzeitig sank als Ergebnis der Besatzungspolitik die Wirtschaftskraft rapide. Monatliche Preissteigerungsraten von 200 und mehr Prozent wurden erreicht.

Die Größenordnung der über die Drachme vollzogenen Ausbeutung zeigt das Verhältnis des Wehrmachtsbedarfs an Drachmen zum Banknotenumlauf. Die Drachmenanforderung der Wehrmacht machte im Mai 63 Prozent und im August 1944 über 90 Prozent des gesamten Banknotenumlaufs aus. Häufig wurde die Obergrenze des Wehrmachtsbedarfs nur noch von der Kapazität der Notenpresse bestimmt.

In welchem Ausmaß andere Ressourcen den Griechen entzogen wurden, zeigt die Beanspruchung der griechischen Eisenbahn. Anfang 1944 erbrachte die Bahn 97 Prozent ihrer Fahrleistungen ausschließlich für die Wehrmacht.

Bei Betrachtung der "normalen", meist über die Drachme vollzogenen Ausbeutung ist zu beachten, dass Griechenland nicht nur in der ersten, der zu Recht so bezeichneten Raubphase gewaltsam riesige, kaum exakt zu bestimmende Werte entzogen worden sind. Während der gesamten Besatzungszeit gab es den unbezahlten, gewaltsamen Raub der deutschen Militärbehörden. So enthielt fast jeder Befehl für "Säuberungsunternehmen" einen Passus der bestimmte, dass vor der Ermordung der Einwohner und der Niederbrennung der Orte, Barmittel, Wertgegenstände, Vorräte und das Vieh von deutschen Beauftragten zu "sichern" seien. Außerdem war eine häufig gegen "partisanenverdächtige Orte" verhängte "Strafe" die Auferlegung von "Kontributionen", die durch Geld oder in Form von Sachwerten, meist Olivenöl, bezahlt werden mußten.

Durch die Wirtschaftspolitik der Besatzer wurden Griechenland in großem Umfang Werte entzogen und dem Volk gewaltige Lasten aufgebürdet, die bis heute von Deutschland  auch nicht ansatzweise reguliert wurden.