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Bericht von Petros Yiotis (kontra) von Donnerstag, dem 08/12/2005

 

4. Anhörung

 

Der Prozess wurde fortgesetzt mit dem Erneuern des Antrags der Verteidigung für die Erlaubnis der Radio- und Fernsehenübertragung des Verfahrens. Das Gericht wies die Nachfrage der Verteidigung für die Radio- und Fernsehübertragung und den Antrag auf Videomitschnitt zurück. Sofort nach der Verkündung dieser (erwarteten) Entscheidung, gab Dimitris Koufontinas eine wichtige politische Stellungnahme ab.

"Was kann getan werden gegen diese Industrie, die durch Gegenterrorismus-Einheiten  aufgestellt wird, die alle diese angeblich neuen Dokumente vor das Gericht bringt, und die der Staatsanwalt dann vorbringt, um zu beeindrucken? Ich sehe ein bedeutungsloses, unhaltbares Dokument, das verwendet wurde, um eine neue Welle der Terror-Hysterie zu erzeugen. Bestimmte Vertreter der Anklage, die gegen die Fernsehübertragung des Prozesses argumentierten, angeblich, weil er ohne Interesse für die griechischen Leute ist, verpassen keine Gelegenheit, im Fernsehen außerhalb des Gerichts zu erscheinen und von Mitglieder des 17N zu sprechen, die nicht festgenommen wurden und ähnliche Geschichten. Ich weiß, dass die Anklage im Verfahren das Recht hat, Zeugen während des Verfahrens aufzurufen. Dieses Dokument ist jedoch - ich wiederhole - unhaltbar und unerheblich und sein einziger Zweck ist, die zugelassene Lehre zu bestätigen, daß den enormen Beitrag der Verfolger zur offiziellen Wissenschaft bezeichnet: einmal ein Angeklagter, immer ein Angeklagter. Das hat Yiannis Serifis erlebt und wird nun auch von Theologos Psaradellis erlebt werden.

Wenn der Prozess beobachtet würde und es eine Kamera in diesem Gerichtssaal gäbe, wäre diese Zerstörung der Wahrheit nicht möglich und dieses Dokument könnte niemanden beeindrucken. Meine Anwälte, Yianna Kourtovic und Vasilis Karidis haben eine direkte Übertragung des Prozesses, dieses großen politischen Prozesses beantragt, dieses zur-Rechenschaft-ziehen der Gegner des Systems. Wir haben eine direkte Übertragung beantragt, damit die griechische Bevölkerung die Leute, die beschuldigt werden, Mitglieder der Revolutionären Organisation 17. November zu sein, selber sehen kann wie sie wirklich sind und nicht als Trophäen eines römischen Triumphs. Damit sie ihre Stimme hören kann, ihre Begründungen, ihre Wahrheit, ohne Vermittlung, Störungen, Verzerrungen. Damit sie ihre Ankläger sehen kann, ihr Beweismaterial von hervorragender Wahrscheinlichkeit, die Zeugen, die die Verteidigung einbringt. Warum sollte sie die Argumente der Anklage nicht sehen und hören können? Und aufgrund all dieser Dinge, die sie gesehen und gehört hat, ihre eigenen persönlichen Erfahrungen benutzen um es zu werten.

Warum akzeptieren sie das nicht, warum haben sie am Vorabend des ersten Prozesses ein neues speziell zurechtgeschneidertes Gesetzt gemacht, das Gesetz über das Verbot der Fernseh-Übertragung? Wovor fürchten sie sich? Haben sie soviel Angst vor unseren Argumenten, den Argumenten der Leute, die sie ignorant, ungebildet und asozial nennen? Wir haben eine direkte Übertragung beantragt, weil in diesem Gerichtssaal ein Stück moderner griechischer Geschichte gemacht wird und die griechische Bevölkerung das Recht hat, diesen Prozess zu beobachten. Der Ausschluss von der Übertragung ist ebenso schwerwiegend wie der Ausschluss der Leute selber. Es trägt zum Gelingen des Neuschreibens von Geschichte bei, um die Vergangenheit zu verändern und es ist wohlbekannt, dass ein Volk ohne Vergangenheit ein Volk ohne Zukunft ist. So wie am selben Tag 1974, als am 08.12.1974 das Referendum stattfand, das die Monarchie abschaffte und verbindlich gesagt hat, dass es für die griechische Geschichte nutzlos ist. Heute begeht der Politiker, der das Urteil der Bevölkerung als 'unfair' bezeichnet, einen anderen 'unfairen' Akt, so ähnlich wie das Eingreifen des Staates in die Justiz und er sagt dem Gericht, was es tun soll. Ich habe keine andere Entscheidung erwartet."

Der nächste Antrag des Gerichts betraf die schlechte Zusammensetzung des Gerichts. Es ist ein Einspruch, der in allen politischen Prozessen, die mit 'Terrorismus' zu tun haben, erhoben wird und betrifft die zweite Klausel des 'Anti-Terror-Gesetzes' 3029/2003, in dem die Vorauswahl bestimmter Richter und Staatsanwälte geregelt wird, aus denen heraus die Zusammenstellung der Gerichte nachher durch Los entschieden wird. Politisch wurde diese Bestimmung hergestellt, um sicherzustellen, daß der Aufbau dieser speziellen Gerichte keine Überraschungen beinhalten würde. Per Gesetz beraubt diese ad-hoc-Regelung die Anklagten von ihrem natürlichen Richter. Sie widerspricht der Verfassung und der ESDA.