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in Athen 2006


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170. Verhandlungstag, Montag, 6. November 2006

Wie schon am Freitag sind auch heute nur zwei der drei bestellten Zwangsverteidiger aufgetaucht. Der Vorsitzende Richter beschließt, den dritten bei der Anwaltskammer und der Staatsanwaltschaft anzuzeigen. Als einer der beiden anwesenden Zwangsverteidiger darum bittet, von seinem Mandat entbunden zu werden, weil sein Mandant ganz offensichtlich kein Vertrauen zu ihm habe – Ch. Xiros hatte sich geweigert auch nur mit ihm zu sprechen –, beschließt das Gericht, auch ihn bei der Anwaltskammer und der Staatsanwaltschaft anzuzeigen. Das Gericht bestellt zwei neue Rechtsanwälte anstelle des nichtanwesenden und des nichteinverstandenen Zwangsverteidigers. Danach wird die Verhandlung bis morgen unterbrochen.

171. Verhandlungstag, Dienstag, 7. November 2006

Einer der neu bestellten Zwangsverteidiger bittet darum, aufgrund ernster ökonomischer Probleme von seinem Mandat entbunden zu werden. Er war bereits im ELA Prozess als Zwangsverteidiger bestellt worden und hatte sich aufgrund der über Monate gehenden täglichen Sitzungen um keinen anderen Fall kümmern können. Die dadurch entstandenen Einkommensverluste habe er bis heute nicht ausgleichen können mit dem Ergebnis, dass er sogar sein Büro aus Kostengründen habe schließen müssen, so der Anwalt.

Der zweite neu bestellte Zwangsverteidiger bittet um eine Pause, um sich mit seinem Mandanten besprechen zu können. Das Gericht unterbricht und der Anwalt geht, um Ch. Xiros in seiner Zelle aufzusuchen, kommt aber unverrichteter Dinge zurück. Ch. Xiros hatte seinen Bruder Savvas geschickt, um dem Anwalt auszurichten, dass er ihn nicht akzeptiere. Auch dieser Anwalt bittet danach um Entbindung von seinem Mandat, da sein Mandant ihn nicht haben will. Er erleidet das gleiche Schicksal wie seine Vorgänger, die ihr Mandat abgelehnt haben: Anzeige bei der Anwaltskammer und der Staatsanwaltschaft. Das Gericht bestellt zwei neue Zwangsverteidiger und unterbricht bis morgen.

172. Verhandlungstag, Mittwoch, 8. November 2006

Auch heute ist einer der neu bestellten Zwangsverteidiger gar nicht erst erschienen, sondern hat eine Kanzleiangestellte geschickt, um ausrichten zu lassen, er könne wegen Krankheit das Mandat nicht übernehmen. Ein ärztliches Attest hat er auch gleich mitbringen lassen.

Dafür ist aber der zuerst bestellte und schon zweimal nicht aufgetauchte Zwangsverteidiger heute erschienen. Er bittet allerdings sogleich um Entbindung von seinem Mandat, da er das Vertrauen seines Mandanten offensichtlich nicht habe. Überdies sei der Umfang der Gerichtsakten derart, dass er sich nicht in ausreichendem Maße auf eine Verteidigung vorbereiten könne.

Die Staatsanwältin, erbost darüber, dass so viele Anwälte sich weigern als, wie Ch. Xiros es ausdrückt, eine Art Anwalt-Möbelstück dem Prozess beizuwohnen, beantragt, auch den kranken Anwalt bei der Anwaltskammer und der Staatsanwaltschaft anzuzeigen. Wenn das so weiter geht, wird noch die Hälfte der Mitglieder der Athener Anwaltskammer disziplinarisch und strafrechtlich belangt werden. Mit immer noch nur einem von drei geforderten Zwangsverteidigern wird dann erneut bis morgen unterbrochen. Wenn man Ch. Xiros hätte ausreden lassen, wäre dies alles nicht passiert...

173. Verhandlungstag, Donnerstag, 9. November 2006

Heute kann Frau Staatsanwältin sich freuen. G. Antonelou akzeptiert ihren Posten als Zwangsverteidigerin und zusammen mit dem bereits bestallten I. Dimitriadis sind nun zwei von drei Stellen besetzt. Der zweite für heute frisch bestellte Zwangsverteidiger meldet sich telefonisch: Er habe auf dem Weg zum Gericht mit dem Motorrad einen Unfall gehabt. Auch er wird auf Antrag der Staatsanwältin bei der Anwaltskammer und der Staatsanwaltschaft angezeigt. Der Vorsitzende Richter bestimmt eine weitere Anwältin aus dem Katalog der Anwaltskammer, die für morgen geladen wird, bevor die Sitzung erneut unterbrochen wird.

174. Verhandlungstag, Freitag 10. November 2006

Ein Freudentag für Gericht und Staatsanwaltschaft, da die für heute bestellte Sofia Sinini bereit ist, auch ohne das Vertrauen ihres Mandanten die „Verteidigung“ von Ch. Xiros zu übernehmen. Alle drei erforderlichen Zwangsverteidiger sind damit gefunden.

Das neue „Verteidigungsteam“ erbittet eine Verhandlungspause von einem Monat, um sich in den Prozess einzuarbeiten. Die Staatsanwältin ist der Meinung, dass auch ein halber Monat für das Studium der über 10.000 Seiten Gerichtsakten ausreicht – nicht mitgerechnet dabei die Dokumente des Verfahrens in der ersten Instanz und die Protokolle der vorprozessualen Verhöre.

Das Gericht entscheidet, die Verhandlung bis zum 27. November, also inklusive der Wochenenden für 17 Tage, zu unterbrechen. Das Team der „Möbelstück-Anwälte  gibt seinen Einstand, indem es die lächerliche Vorbereitungszeit ohne Einspruch akzeptiert.