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189. Verhandlungstag, Montag, 8. Januar 2007

Die Verhandlung beginnt, Savvas Xiros ist nicht da. Der Gefängniswärter informiert das Gericht, dass der Angeklagte zu einer Untersuchung beim Arzt ist. Außerdem leitet er an das Gericht die Erklärung von Savvas weiter, nach der dieser offiziell und unter Angabe, als was er geladen wird, vom Gericht geladen werden will. Das Gericht unterbricht die Sitzung bis zur Rückkehr von Savvas nach Korydallos. 

Auch nach dem Arztbesuch besteht Savvas darauf, ordnungsgemäß geladen zu werden. Die Staatsanwaltschaft ist der Meinung, dass man auf eine Ladung verzichten kann, da die Angeklagten ja schon in der ersten Instanz Gelegenheit gehabt hätten, Savvas zu seinen vorprozessualen Aussagen zu befragen, ein Recht, das sie damals aus eigenem Antrieb nicht wahrgenommen hätten. Verschiedene Verteidiger stellen dagegen den Antrag auf zwangsweise Ladung von Savvas Xiros. Das Gericht lehnt den Antrag innerhalb von Sekunden ohne weiter Begründung ab. Das gleiche Schicksal erleidet der neue Antrag der Verteidigung, die Verlesung der vorprozessualen Aussagen von Savvas Xiros für ungeschehen zu erklären und aus dem Protokoll zu streichen.

Anwältin Kourtovik weist das Gericht darauf hin, dass die Angeklagten Savvas im Verfahren in erster Instanz nicht hatten befragen können, da der Angeklagte damals der Ladung nicht gefolgt war, und fordert erneut die Ladung von Savvas. Das Gericht lehnt den Antrag ab.

I. Kostaris stellt den Antrag, das Gericht möge Kopien einiger Nachrichtensendungen besorgen, in denen er zusammen mit Ch. Xiros auf dem Weg zum Untersuchungsrichter zu sehen ist. Damit will er  beweisen, dass die Angaben von Ch. Xiros stimmen, der gesagt hatte, Kostaris könne nicht das Mitglied der 17N mit dem Decknamen Haris sein. Ansonsten, so Christodoulos Xiros, hätte er dem Untersuchungsrichter auf die Frage, ob er „Haris“ kenne, doch geantwortet, der säße draußen vorm Büro des Untersuchungsrichters auf der Bank. Auch diesen Antrag lehnt das Gericht ab.

190. Verhandlungstag, Dienstag, 9. Januar 2007

Zu Beginn der Sitzung verliest Giotopoulos eine Erklärung mit der Forderung, das Gericht solle I. Mylonas als seinen Wahlverteidiger akzeptieren. Die offene Frage, was mit seinem zweiten, nicht zugelassenen Vertrauensanwalt wird, werde sich innerhalb der nächsten Tage klären, so Giotopoulos. Die Staatsanwältin hat keine Einwände. Mit einer Mehrheit von 3 zu 2 Stimmen sei entscheidet das Gericht, dass dem Angeklagten gleichzeitig sowohl Pflichtverteidiger als auch Anwälte seiner Wahl zur Seite stehen könnten. Mylonas kann somit als Verteidiger von Giotopoulos auftreten.

Erste Tat des neu bestellten Mylonas (nun Verteidiger für Tzortzatos und Giotopoulos) ist der Antrag, neben den bereits als verwertbar anerkannten vorprozessualen Aussagen von Savvas Xiros auch dessen sämtliche in erster Instanz gemachten Aussagen zu den Gerichtsakten zu nehmen. Darunter auch die Aussagen von Savvas, mit denen er seine vorprozessualen Aussagen zurücknimmt und als unter Folter zustande gekommen bzw. von der Antiterrorpolizei konstruiert bezeichnet. Das Gericht gibt dem Antrag statt, es werden etwa 25 Seiten aus den Akten des Verfahrens in erster Instanz verlesen.

Koufodinas hatte eine Woche Vorbereitungszeit für sein Plädoyer gefordert. Die Staatsanwältin ist jedoch der Meinung, zwei Tage seien mehr als genug und ohnehin nur zu gewähren, damit sich der Angeklagte nicht beschweren könne. Demnach wäre Koufodinas am Freitag an der Reihe. Das Gericht schließt sich der Ansicht der Staatsanwältin an und unterbricht bis Freitag, obwohl Koufodinas ankündigt, erst am Montag zu Verfügung zu stehen. „Ich werde am Montag reden. Wenn Sie am Freitag trotzdem kommen wollen, dann kommen Sie...“

191. Verhandlungstag, Freitag, 12. Januar 2007

Zu Beginn der Verhandlung ersuchen die beiden Zwangsverteidiger von Ch. Xiros, von ihrem Mandat entbunden zu werden. Der Angeklagte hatte sie nicht nur abgelehnt, sondern ein Verfahren gegen sie eingeleitet. Die Staatsanwältin ist der Meinung, dass dies nichts zu bedeuten habe, der Angeklagte versuche vielmehr, das Verfahren zu behindern, damit in der Zwischenzeit Straftaten verjährten, und plädiert auf Ablehnung des Antrages. RA Mylonas meint, man könne ja fortfahren, ohne dass der Angeklagte durch einen Rechtsanwalt vertreten sei. Oder man könne die beiden verbleibenden Zwangsverteidiger seines Mandanten Giotopoulos von ihrem Mandat entbinden und statt dessen Ch. Xiros zuordnen. Die seien ja sowieso mit dem Prozess vertraut...

Das Gericht lehnt den Antrag der Zwangsverteidiger auf Entbindung von ihrem Mandat ab, die beiden treten trotzdem zurück. Es folgt das übliche Prozedere: Anklage bei der Staatsanwaltschaft und bei der Anwaltskammer.

Die Staatsanwaltschaft beantragt, den Angeklagten ohne anwaltliche Vertretung zu lassen, weil dieser sein Recht auf einen Anwalt offensichtlich missbrauche. Das Gericht schließt sich dieser Auffassung an. Über Ch. Xiros, der aus Protest gegen den Entzug des Rederechtes den Prozess verlassen und seine Vertrauensanwälte entbunden hat, wird also ab jetzt ohne Zwangverteidiger und in Abwesenheit gerichtet.