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Montag,

22. Mai 2006

Aufgrund eines eintägigen Warnstreiks der AnwältInnen Griechenlands findet heute keine Verhandlung statt.

 

83. Verhandlungstag,

Dienstag, 23. Mai 2006

Fast alle geladenen Zeugen für die Beweisaufnahme zu einer Reihe von Bombenanschlägen sind nicht erschienen. Nicht einmal der Eigner (Karapiperis) des von der 17N versenkten Frachters.

Seine Aussage im ersten Prozess hatte zur Verurteilung einiger Angeklagter wegen versuchten Mordes geführt, obwohl die Organisation ein leeres, am Kai angebundenes Schiff versenkt hatte.

Im Fall des Raketenanschlags auf die US-Botschaft (15.2.96) versucht die Staatsanwaltschaft erneut, einen versuchten Mordanschlag zu konstruieren.
Der (einzige) Zeuge vereitelt diesen Versuch jedoch mit einer sachlichen Darstellung des Geschehens, bei der klar wird, dass zu keinem Zeitpunkt Menschen in Gefahr gebracht wurden.

Der einzige Zeuge beim Raketenanschlag auf die Chase Manhattan Bank (5.5.99) kann zur Sache nichts aussagen.

Weiter geht es mit der Befragung weiterer Zeugen im Fall des von der 17N erschossenen Reeders Peratikos (28.5.97). Der damalige Betreiber eines Parkplatzes spricht von drei Personen in einem Mitsubishi Minivan, die auf Parkplatzsuche mehrmals um den Block gekurvt seien.
In zweien will er "ohne jeden Zweifel" die Brüder Savvas und Vassilis Xiros erkannt haben. Von den damals auf seine Angaben hin angefertigten Skizzen der Täter fehlt heute jedoch jede Spur, was den Verdacht aufkommen lässt, dass sie mit den Charakteristiken der Brüder Xiros nicht übereinstimmen.
Die dritte Person soll eine Frau gewesen sein, die er jedoch auf keinem der ihm von der Anti-Terror-Polizei vorgelegten Fotos identifizieren konnte.
Alle anderen Zeugen sprechen jedoch von drei Männern. Augenscheinlich sagt der Zeuge nicht die Wahrheit. Wieso sollten die Täter ihren Fluchtwagen auch auf einem gewerblichen Parkplatz abstellen und nach vollzogenem Anschlag die Parkrechnung bezahlen, um die Schlüssel des Wagens zu erhalten? Der nächste Zeuge ist der Taxifahrer, dessen Fahrzeug von der 17N als Fluchtwagen benutzt wurde. Er beschreibt, wie ihn die drei Täter innerhalb von Sekunden aus dem Auto gezogen haben und davongebraust sind.
Er selbst sei mit einem weiteren Taxi seinem Wagen gefolgt und habe beobachtet, wie die drei Täter einige Strassen weiter sein Taxi verlassen und die Flucht mit einem Kadett fortgesetzt hätten. Er kann keinen der Täter identifizieren. In Erinnerung geblieben ist ihm lediglich ein "gut Angezogener in den Vierzigern" mit blonder Perücke und einem Schnurrbart der gleichen Farbe.

Nach der Mittagpause ergreift D. Koufodinas das Wort. Koufodinas erklärt, unterstützt von Ch. Xiros, dass die Staatsanwältin Koutsamani fortlaufend ihre Zuständigkeit überschreitet, beispielsweise durch das Zitieren der (noch) nicht vom Gericht für verwertbar erklärten Aussagen der Angeklagten in den Polizeiverhören.
Außerdem beleidige und verhöhne sie die Angeklagten, zwar ohne Gebrauch des Mikrofons, aber doch so laut, dass man es auf der Anklagebank hören könne. Weiter mache sie sich nicht nur zur Zeugin der Anklage, sondern lasse sich sogar zur Lüge hinreißen.

Aus diesen Gründen erwäge er einen Antrag auf Ausschluss der Staatsanwältin vom Prozess.

Ein weiterer Zeuge will Savvas und Vassilis Xiros von einem Balkon im 4. Stock eines Wohnhauses, das heißt aus eine Höhe von 15m, erkannt haben. Vassilis Xiros will er erkannt haben "als dieser nach oben schaute". Dumm nur, das der selbe Zeuge im ersten Prozess kategorisch ausgeschlossen hatte, dass Vassilis zu irgendeinem Zeitpunkt nach oben geschaut hat.

 

84. Verhandlungstag,

Mittwoch, 24. Mai 2006

Die Verhandlung beginnt mit der Vernehmung weiterer Zeugen im Fall Peratikos. Ein Buchbinder hat einen Teil des Geschehens aus nächster Nähe verfolgt.
Nach all den Jahren kann er aber damals Miterlebtes und später in den Medien Gesehenes nicht mehr auseinanderhalten und verstrickt sich bei seiner Aussage in Widersprüche. Mit seinen ersten Aussagen konfrontiert, entscheidet er auf Gültigkeit der unmittelbar nach der Tat gemachten Angaben.
Diese entlasten die Brüder Xiros, weil die Personenbeschreibungen nicht übereinstimmen.

Auch Rückfrage von Koufodinas gibt der Zeuge zu, kurz vor seinem Auftritt vor Gericht mit dem Sohn des erschossenen Reeders gesprochen zu haben.

Koufodinas beschuldigt die Familie Peratikos der Zeugenbeeinflussung, was von der Nebenklage nicht gerade überzeugend dementiert wird.

Chr. Xiros weist darauf hin, dass "mit derartig armseligen Zeugen" in erster Instanz "55 Mal lebenslänglich und 10.000 Jahre Gefängnis" verteilt wurden.

Die Verhandlung im Fall Peratikos wird auf den 5. Juni vertagt.

Weiter geht es mit der Untersuchung eines Postraubs im Athener Stadtteil Patission. Ein Polizist, der damals die Postbank bewachte, präsentiert eine filmreife Räuberpistole als Tathergang: Zwei Männer seien in die Filiale eingedrungen, hätten "Raub, keine Bewegung!" gerufen und auf ihn gezielt.
Er habe sich geduckt, um zur Waffe zu greifen, und die Räuber hätten zwei Magazine auf ihn leergefeuert. Ihm sei die Automatik aus der Hand gefallen, er habe aber aus seinem Revolver einen Schuss abgeben können. Daraufhin hätten die Räuber mit der Ermordung der Kassiererin gedroht. Er habe ihnen "angeboten", das Geld zu nehmen und zu verschwinden, was die Räuber auch getan hätten. Zu guter Letzt will er dem Fluchtwagen eine Kugel hinterhergeschickt haben.
Trotz Vermummung der Täter will er dann im Jahre 2002 "zu 90 Prozent" Koufodinas als einen der Täter erkannt haben. Die Version des Kronzeugen Tselentis dagegen sieht anders aus. Danach hat sich der Polizist in einer Abstellkammer versteckt, von der aus er 2 Kugeln auf die Täter abfeuerte. In seinem Revolver fehlten tatsächlich auch zwei Kugeln, die in der Wand der Postbank gefunden wurden. Ansonsten sind keine Schüsse gefallen.

Zwei weitere Zeuginnen, die Kassiererin und eine Kundin können zwar die Geschichte des Polizisten nicht bestätigen, aber auch sonst nichts zur Sache aussagen. Die Verhandlung endet mit der Aufnahme verschiedener Dokumente ins Protokoll.

 

85. Verhandlungstag,

Donnerstag, 25. Mai 2006

Die heutige Verhandlung ist kurz, weil wieder einmal die wenigsten der geladenen Zeugen erschienen sind.

So können nur zwei Raubüberfälle (auf eine Zweigstelle der Nationalbank und einen Geldtransport der Telefongesellschaft OTE) behandelt werden.
Die anwesende Zeugin im ersten Fall kann sich an nichts mehr erinnern. Beim Überfall des OTE Geldtransportes wollen die beiden anwesenden Zeugen "mit hoher Wahrscheinlichkeit" Vassilis Xiros in einem der drei Täter erkannt haben.
Allerdings beschreiben ihn beide ganz unterschiedlich...

 

86. Verhandlungstag,

Freitag, 26. Mai 2006

Auch ein dritter Zeuge will Vassilis Xiros in einem der Täter beim Überfall auf den Geldtransport der OTE erkannt haben. Aber auch dieser Zeuge konnte schon bei seiner ersten Vernehmung die Charakteristika des Täters nicht beschreiben.
Es stellt sich überhaupt die Frage, warum im Berufungsverfahren soviel Wert auf die Identifizierung von Vassilis Xiros als Täter bei dem Überfall gelegt wird, wo dieser doch in erster Instanz nur wegen Beihilfe verurteilt wurde, seine angebliche Täterschaft also heute eigentlich gar nicht zur Debatte stehen kann.
Bei den Ermittlungen zum Überfall auf den Geldtransport war auch die Rede von einem "Haris" oder "Takis" unter den Tätern gewesen. Dieser Alias wurde dem Angeklagten Iraklis Kostaris zugeordnet. Da Kostaris aber nachweislich nicht am Überfall auf den Geldtransport beteiligt war, kann er auch nicht der "Haris" oder "Takis" sein, folgert die Verteidigung.

Für die Erörterung des Überfalls auf die OTE-Zweigstelle im Athener Stadtteil Patission fehlen beide Zeugen. Das Gericht ordnet ihre Zwangsvorführung an.

Danach wird der Anschlag auf einen Touristenbus (durch Bombe der 17N am 11.3.91 zerstört) im Stadtteil Galatsi verhandelt. Der einzige Zeuge und Eigner des zerstörten Busses kann nichts zur Sache aussagen, versucht aber aus einer reinen Sachbeschädigung einen Mordversuch zu machen. Der Busfahrer hätte ja vielleicht genau im Explosionsmoment irgendwas aus dem Bus holen wollen. Nicht sehr überzeugend, da die Bombe nachts um eins explodierte....

Auf Nachfrage der Verteidigung, warum der Busunternehmer seine Busse für den Bruch des laufenden Streiks der Busfahrer eingesetzt hat, kann der nur angeben, der zerstörte Bus wäre nicht eingesetzt worden; er hätte vielmehr Busse von anderen angemietet und diese eingesetzt. Seine Beschwerde ist, warum sein Bus verbrannt wurde und nicht die der anderen, die er nur gemietet hatte...

Was Koufodinas zu der Erklärung veranlasst: "Die Ausübung von Gewalt gegenüber Streikbrechern ist feste Praxis der Bewegung des Volkes und der revolutionären Bewegung. Diese Herrschaften, die Streiks brechen, riesige Streiks, die mit der Arbeit und dem Brot Tausender Werktätiger spielen, müssen kapieren, dass sie damit (mit der Gewalt) bestraft werden."