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Isolation in der Isolation

Die Geschichte eines blinden und tauben politischen Gefangenen in Griechenland

Heike Schrader, Athen

Als "Isolation in der Isolation" beschreiben die Mitgefangenen die Situation von Savas Xiros. Der griechische Stadtguerillero der "Revolutionären Organisiation 17. November" (17N) konnte am 29. Juni 2002 verhaftet werden, weil eine von ihm deponierte Bombe zu früh explodierte. Mehr tot als lebendig wurde der Schwerverletzte noch auf der Intensivstation des Krankenhauses von Antiterror-Spezialisten ohne Beisein eines Anwaltes verhört.
Als seine Lebensgefährtin Tage später endlich zu ihm gelassen wurde, berichtete sie von einem mit Drogen vollgepumpten Menschen, der angab, seinen Verhörer wie einen Bruder zu lieben.
Bis heute werden Savas Xiros die nötigen Untersuchungen verweigert, mit denen er die an ihm begangene Folter belegen könnte.

Die Explosion hat Augen und Gehör, sowie innere Organe von Savas Xiros schwer geschädigt sowie zum Verlust mehrere Finger einer Hand geführt. Bis August 2002 wurde er verschiedenen Operationen unterzogen, die Gehör und Augenlicht so weit wie möglich wiederherstellen sollten.

In einem schier endlosen Kampf gegen die griechische Justiz versucht Savas seither nachzuweisen, dass ihm im Krankenhaus und danach keineswegs die angemessene Pflege für einen Heilungsprozess zuteil wurde.

So wurde der Gefangene bereits kurz nach den schweren Operationen, ohne eine Phase der Rehabilitierung vom Krankenhaus in die eigens für politische Gefangene eingerichteten Isolationszellen des Gefängnisses von Koridallou verlegt. In diesem Gefängnis der Hafenstadt Piräus gibt es keinen Arzt, der sich um den immer noch schwerkranken Gefangenen hätte kümmern können. Als der Boden seiner Zelle aufgrund heftiger Regenfälle, die das Wasser aus der Kanalisation hochdrückten, buchstäblich von Scheiße bedeckt wurde, weigerte sich die Gefängnisleitung, den Frischoperierten auch nur in eine andere Zelle zu verlegen.

Statt einer gesundheitlichen Besserung hat sich die Situation von Savas Xiros in nunmehr gut dreieinhalb Jahren Gefängnis verschlimmert. Er ist fast blind, die zehn Prozent Sehfähigkeit seines "besseren" Auges reichen nicht aus, um einen Menschen im Abstand von 50cm zu erkennen. In beiden Ohren ist das Trommelfell zerstört. So ist Savas zwar in der Lage, ein Telefongespräch zu führen, wenn er sich den Hörer an das Ohr drückt. Er kann aber auf Entfernung keine Stimmen oder Geräusche hören. Auch seine inneren Organe sind nach wie vor geschädigt, zusätzlich wurde bei Savas Hepatitis diagnostiziert. Er leidet unter Schwindelanfällen und Bewusstseinstörungen.

Unzählige Eingaben des ganz offensichtlich Haftunfähigen nach Verlegung in ein Krankenhaus wurden jedoch von der griechischen Justiz abschlägig beschieden. Während unabhängige Ärzte sich für die Verlegung einsetzten besteht nach Meinung der für das Gefängnis zuständigen Kollegen keine Handlungsbedarf.
Der Gesundheitszustand von Savas Xiros biete keinen Anlass zur Sorge, er solle nur nicht längere Zeit vom Bett aufstehen...

Im Dezember 2003 wurde Savas Xiros zusammen mit 14 anderen Angeklagten im Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder der 17N zu hohen bis mehrfach lebenslangen Gefängnisstrafen verurteilt.

Alle Gefangenen aus dem 17N Prozess und 2 weitere Menschen aus dem Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder der griechischen Stadtguerillaorganisation "Revolutionärere Volkskampf" (ELA), sitzen derzeit in den unterirdischen Isolationszellen von Koridallou.

hre Zellen sind fensterlos und werden durch Kameras und Mikrofone überwacht. Besuche sind nur Angehörigen gestattet und finden hinter Trennscheibe statt. Der Hofgang erfolgte zunächst in einem etwa 50quadratmeter großem Innenhof mit meterhohen Mauern und einem Dach aus blickdichtem Maschendraht. Mit einem mehrwöchigen Hungerstreik im September 2004 erreichten die Gefangenen, dass zumindest dieser Maschendraht entfernt und den Gefangenen beim Hofgang der Blick auf ein Stück Himmel ermöglicht wurde.

Auch die zunächst geplante Verlegung der "Politischen" in ein eigens gebautes Isolationsgefängnis im mehr als 200 Kilometer entfernten Larisa konnte erfolgreich verhindert werden. Mehr als 1 000 Unterschriften wurden gegen das "griechische Guantanamo" und für die Aufhebung der Sonderhaftbedingungen gesammelt. Verschiedene Demonstrationen und ein Anschlag auf das Gerichtsgebäude von Larisa sorgten mit dafür, dass diese Pläne zunächst ad acta gelegt wurden.

Seit Dezember letzten Jahres läuft im Hochsicherheitsgericht von Koridallou das Berufungsverfahren im 17N Prozess. Mit auf der Anklagebank sitzen auch zwei der in erster Instanz Freigesprochenen.

In Deutschland informiert eine Internetseite über die politischen Gefangenen in Griechenland. Unter der Adresse http://www.widerstand-repression-griechenland.de/ findet man Infos zu laufenden und vergangenen Prozessen gegen militante Systemgegner aber auch Interessantes zur Widerstandsgeschichte des Landes.