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Neues Deutschland 07.03.2003

Von Kostas Kalfopoulos , Athen 


Prozess gegen "17N"

Terrorgruppe werden 23 Morde zur Last gelegt 

 Der Prozess gegen die Terrororganisation "17. November", der am Montag in Piräus begann, wird Griechenland längere Zeit beschäftigen.

Das war ein besonderer Tag für die Nation. Zum ersten Mal nach der " Metapolitefsi ", der Rückkehr zum Parlamentarismus, mussten sich Mitglieder einer "terroristischen Vereinigung" vor Gericht verantworten - just im Saal des berühmt-berüchtigten Korydallos-Gefängnisses , wo vor fast 30 Jahren die Chefs der griechischen Junta zu lebenslanger Haft verurteilt wurden.

Die Anklageschrift hat es auch diesmal in sich. 19 mutmaßlichen Mitgliedern der linksgerichteten Untergrundorganisation "17. November" (17N) wird vorgeworfen, seit 1975 23 Menschen ermordet und Dutzende Anschläge und Raubüberfälle verübt zu haben. Die Polizei war der Gruppe erst im Juni vorigen Jahres auf die Spur gekommen, als bei einem geplanten Anschlag in Piräus eine Bombe vorzeitig explodierte und den 40-jährigen Savvas Xyros verletzte, der laut Polizeiangaben einer der Haupttäter sein soll.

Die beiden ersten Prozesstage brachten keine besonderen Überraschungen. Schon zu Prozessbeginn einigten sich die Konfliktparteien auf die Entfernung des kugelsicheren Glaskäfigs für die Angeklagten. Diese wirkten ruhig - im Gegensatz zu den Emotionen der Betroffenen. Während sich die Zeitungsjournalisten in ihren Berichten bemühten, die Atmosphäre akribisch wiederzugeben, begnügten sich Fernsehsender mit Direktübertragungen vor dem Gerichtsgebäude und nachfolgenden Diskussionen in den Nachrichtensendungen. Am Dienstag versuchten die Angeklagten Savvas Xiros und Dimitris Koufodinas mit einer Erklärung über die Ziele und den politischen Charakter der Organisation, den Prozess zu politisieren.

Der Prozess wird die griechische Gesellschaft zweifellos längere Zeit beschäftigen. Experten und Kommentatoren aus Politik und Justiz rechnen nicht vor Juni mit einem Urteil. Doch viele bezweifeln, ob die Drahtzieher gefunden und die Ursachen des griechischen Terrorismus im Gerichtssaal aufgeklärt werden.