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taz , 19.07.2002
Terroristen
kopflos
Griechische Polizei
nimmt vier mutmaßliche Mitglieder des "17. November" fest,
darunter vermutlich einen Chefideologen
ATHEN
taz / rtr / ap
Nach zwei Jahrzehnten
erfolgloser Fahndung hat die griechische Polizei drei führende Köpfe
der linksradikalen Untergrundorganisation "17. November" festgenommen.
Außerdem wurde einer der möglichen Ideologen und Anführer der Gruppe
auf der Dodekanes-Insel Lipsi
gefasst und nach Athen gebracht. Athens Polizeichef Fotis
Nasiakos sagte gestern, die drei Männer
hätten Geständnisse abgelegt und ihre Beteiligung an Verbrechen
des "17. November" zugegeben.
Auf die Spur der
Gruppe kam die Polizei, als sich Savas
Xiros , der im Krankenhaus liegt, Ende
Juni bei einem fehlgeschlagenen Anschlag im Hafen von Piräus verletzte.
Bei ihm war eine Waffe gefunden worden, die der "17. November" nach
Ballistiker-Erkenntnissen bei sieben Morden benutzt hatte. Zwei
der Festgenommen sind Xiros ' Brüder.
Christodoulos Xiros gab laut Polizeiangaben
zu, an der Ermordung zweier Polizisten, eines Verlegers, eines Industriellen,
des US-Militärattachés William Nordeen
am 26. Juni 1988 sowie eines weiteren amerikanischen Militärs beteiligt
gewesen zu sein. Wassilios Xiros
gestand mehrere Anschläge und Attentate, darunter die Ermordung
des britischen Militärattachés Stephen Saunders im Juni 2000 sowie
einen Anschlag auf die Residenz des deutschen Botschafters in Athen
im Mai 1999.
Bei dem vierten
Festgenommenen soll es sich um Alexandros
Giotopoulos handeln. Nasiakos zufolge
ist er möglicherweise der Gründer der Gruppe. Bewohnern von Lipsi zufolge hatte der Festgenommene die Insel seit Jahren
unter anderem Namen regelmäßig besucht. Der 58-jährige Giotopoulos ,
1944 in Paris geboren, ist mit einer Französin verheiratet und soll
als Universitätsprofessor in Frankreich arbeiten. Für die Behörden
gilt er als führender Kopf und Autor von Bekennerschreiben des "17.
November". "Seine Fingerabdrücke haben wir in einem Waffenlager
der Terrororganisation in einer Wohnung in Athen gefunden", sagte
Nasiakos.
Griechenland, wo
2004 Olympische Spiele stattfinden, war wegen der 27-jährigen erfolglosen
Fahndung gegen diese Terroristen scharf von den USA kritisiert worden.
Bei mehreren Razzien hat die Athener Polizei nach eigenen Angaben
bereits zwei Waffenlager der Organisation ausgehoben. Der "17. November"
nannte sich nach dem Datum des Studenten- und Arbeiteraufstands
gegen die Militärjunta am Athener Polytechnikum im Herbst 1973.
Sie ist eine der aktivsten griechischen Untergrundorganisationen
und hat sich zu 23 politischen Morden bekannt - unter anderem am
damaligen CIA-Chef in Athen, Richard Welch. Welch, dem von vielen
Griechen Kumpanei mit der rechtsextremen Militärjunta sowie Mitschuld
an der Zypern-Krise von 1974 vorgeworfen wurde, war 1975 ermordet
worden.
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