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Dicke Luft zwischen Washington und Athen

Peter Nowak 14.08.2002

Möglicherweise verlangen die USA die Auslieferung von festgenommenen Mitgliedern der Terrorgruppe "17. November"

Die Beziehungen zwischen der griechischen Regierung und den USA waren seit Jahren äußerst gespannt. Einer der wesentlichen Gründe trug den Namen "17. November". Dahinter verbarg sich eine fast 27 Jahre   agierende Stadtguerilla (1). Die Organisation benannte sich nach dem Datum eines Blutbads, dass die damals in Griechenland herrschenden Militär in den Straßen von   Athen an regimekritischen Studenten am 17.November 1973 verübten. Mit einem spektakulären Attentat auf den CIA-Chef in Athen und Junta-Unterstützer Richard Welch machte die Organisation erstmals auf sich aufmerksam. Zu ihren Anschlagszielen gehörten immer wieder Institutionen   der USA und der NATO-Staaten in Griechenland.   Unter den 23 Attentatsopfern (2) des 17. November zählen neben Welch noch weitere US-Bürger.

Weil die griechischen Behörden jahrzehntelang keine Fahndungserfolge gegen den "17. November" zu verzeichnen hatte, wuchs der Druck vor allem aus den USA. Dort verdächtigte (3) man die griechischen Behörden sogar, die Organisation heimlich zu unterstützen. Selbst in Griechenland machte noch zu Jahresanfang die Meldung (4) Schlagzeilen, dass führende Mitglieder der regierenden Panhellenistischen Sozialistischen Bewegung ( Pasok) einschließlich deren verstorbener Gründer Andreas Papandréou mit der Bewegung 17.November in Verbindung gestanden haben sollen.

Im Jahr 2000 landete Griechenland als einziges Nato-Mitglied auf einer vom US-Kongress erstellten Liste, auf denen Länder aufgeführt sind, die zu wenig gegen den Terrorismus unternehmen. Der Druck der USA auf Athen nahm noch zu, seit das Datum der Olympischen Spiele im Jahre 2004 in Griechenland näher rückt (5). Die USA haben sogar einen Boykott aus Sicherheitsgründen erwogen, wenn es vorher keine Erfolge gegen den Terrorismus gibt.

Jetzt könnte die Regierung in Athen aufatmen. Denn innerhalb weniger Wochen war ein Großteil (6) der bis dahin so klandestinen Organisation verhaftet. Allerdings sind damit die Unstimmigkeiten zwischen Washington und Athen noch nicht ausgeräumt. Jetzt fürchten FBI-Beamte, dass die Täter mit geringen Strafen davon kommen könnten.   Einige der Taten sind schon verjährt, darunter das Attentat auf CIA-Mann Welch.

Außerdem sehen die griechischen Gesetze für geständige Täter Strafnachlässe vor. Deswegen wird in der griechischen Hauptstadt damit gerechnet, dass die USA eine Auslieferung der Mitglieder vom "17. November" verlangen wird, die sie für den Tod von US-Bürger verantwortlich macht.

Sollte   das Ansinnen, wie absehbar, abgelehnt werden, ist das keine Garantie für die Beschuldigten, doch noch vor einem US-Gericht zu landen. Besonders wenn sie im Ausland sind. Das FBI könnte, wie der Griechenland-Korrespondent der Frankfurter Rundschau schrieb (7) des Terrorismus Verdächtigte auch auf eigene Faust aufspüren und in den USA vor Gericht bringen. Nach   den Anschlägen vom 11.September sind die Befugnisse der US-Dienste stark ausgeweitet worden. Schon in der   Vergangenheit fahndeten FBI-Experten in Griechenland nach Terroristen.  

Offiziell in Kooperation mit der griechischen Regierung, nach Expertenmeinung aber   öfter auf eigene Faust.

http://www.telepolis.de/r4/artikel/13/13086/1.html