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Soli - 14.11.02
von FAU-Ffm
Zur Entwicklung in Griechenland nach der Verhaftung
der Mitglieder des <17.November> und den Auswirkungen auf
die libertäre Bewegung
Aufgrund der
Verhaftung von Giannis Serifis veröffentlichen wir diesen Beitrag,
der die Grundlage einer Veranstaltung am 4.Oktober war. Unsere
Sorgen haben sich leider bewahrheitet. FAU Frankfurt.
Ein ernsthaftes
Problem stellt die Entwicklung der letzten Monate für die anarchistische-
und jede zukünftige radikale Oppositionsbewegung in Griechenland
dar. Inhaltlich in scharfer Abgrenzung zum <17.November>
stehend, betreiben Teile der Bewegung seit Jahren militante Propaganda
durch kleinere Anschläge im Stil einer "Guerilla Diffusa".
Die Repression
der Polizei gegenüber diesem radikalen Teil der Bewegung stand
bisher im krassen Gegensatz zu den milden Urteilen der bei Prozessen
zuständigen Schöffengerichte. Dort wurden oftmals "edle politische
Motive" als strafmildernd anerkannt. Darüber hinaus wurden
Anarchisten, die wegen Konstrukten der Verfolgungsbehörden und
auf Grund des starken Drucks der USA als Topterroristen vor Gericht
standen, wiederholt durch die Stimmenmehrheit der Schöffen gegenüber
den Berufsrichtern, triumphal freigesprochen.
Das erst Anfang
des Jahres verabschiedete "Antiterrorgesetz" mit den
darin geschaffenen Staats-schutzsenaten, hat die Lage extrem verschlechtert.
Teil
des Gesetzes ist auch die so genannte Kronzeugenreglung die bekanntlich
aller
Art von Lügen nach dem Willen der Verfolgungsbehörden Tür und
Tor öffnet. Erste Auswirkungen des Gesetzes sind schon jetzt zu
beobachten. Welche "Geständnisse" und Beschuldigungen
den Angeklagten des <17.November> von den Verfolgungsbehörden
diktiert wurden, kann niemand mehr mit Bestimmtheit sagen. Mehrere
falsche Beschuldigungen - auch untereinander - sind offensichtlich,
dies vor einem Staatsschutzsenat zu beweisen so gut wie unmöglich.
Auch die Namen
bekannter Anarchisten wurden so wieder im Zusammenhang mit dem
<17.November> in der Presse lanciert. Es sind genau die
Namen der Aktivisten, die schon in den 80er und 90er Jahren auf
Grund der Erfolglosigkeit der griechischen
Polizei zu Topterroristen aufgebaut wurden. Einer dieser "üblichen
Verdächtigen"
wie sie in Griechenland genannt werden, der 46jährige Abraham
Lesperoglou, sitzt nun seit Ende August wieder in Untersuchungshaft,
beschuldigt durch die Aussagen zweier Kronzeugen. Ein anderer,
der 64jährige militante Syndikalist Giannis Serifis soll als Gründungskader
des <17.November> aufgebaut werden, befindet sich aber noch
auf freiem Fuß.
Bei dem momentan
in Griechenland herrschenden Sicherheitsdiskurs ist es absehbar,
dass schon bald die ersten anarchistischen AktivistInnen als "Terroristen"
abgeurteilt werden. Gerade im Zusammenhang mit der Mobilisierung
gegen den EU-Gipfel in Thessaloniki im Juli 2003 und dem von forcierten
Konstrukt eines "anarchistischen Terrorismus", wird
sich die Bewegung nun damit auseinander setzen müssen verstärkt
kriminalisiert zu werden.
Da hilft es auch nicht, dass Theorie und Praxis des <17.November>
von AnarchistInnen wegen der Verachtung des menschlichen Lebens
und der stalinistisch inspirierten Ideologie und Struktur der
Gruppe strikt abgelehnt werden. Die anti-türkischen, und patriotischen
Inhalte hatten darüber hinaus schon lange jegliche Solidarisierung
unmöglich gemacht.
Veranstaltung
zur < Revolutionären Organisation 17. November >
Seit 1975 existiert
die griechische Stadtguerilla <17. November>, kurz 17
N. Seitdem hat sie sich zu zahlreichen Anschlägen gegen US- und
NATO-Einrichtungen bekannt. Darüber hinaus verübte sie Attentate
auf türkische Diplomaten, multinationale Konzerne, EU-Botschaften,
griechische Politiker und Angehörige der griechischen Bourgeoisie.
Im zweiten Golfkrieg wurden binnen kürzester Zeit diverse Ziele
in Athen mit Panzerfäusten angegriffen, während des Kosovokriegs
u.a. die BRD-Botschaft.
Die Gruppe galt
als perfekt abgeschottet und ein für die Polizei unangreifbares
Phantom. Bis zum Sommer 2002 wurde in den insgesamt 27 Jahren
des Bestehens des 17 N niemals ein Mitglied
der Gruppe bekannt oder gar verhaftet. Dies nährte
Verschwörungstheorien aller Art.
Ihre z.T. sehr
nationalistischen Erklärungen waren im Gegensatz zu anderen bewaffneten
westeuropäischen Gruppen so formuliert, dass jeder und jede sie
verstehen konnte. Diese Papiere wurden vollständig in der griechischen
Presse abgedruckt, wobei die jeweilige Zeitung ihre Auflage um
20- bis 30.000 Exemplare erhöhte.
Am Samstag, den
29. Juni 2002 explodierte im Hafen von Piräus ein Sprengsatz offenbar
vorzeitig in den Händen des 40 jährigen
Ikonenmalers Sabbas Xiros.
Durch bei ihm gefundene Schlüssel, Telefonkarten und Adressen
wurden in der Folge Wohnungen und Waffenlager entdeckt, seine
Aussagen führten ab dem 16. Juli 2002 zu ersten Verhaftungen.
Die meisten Verhafteten bekennen sich nicht nur zu ihrer Mitgliedschaft
zu 17 N, sondern belasten sich und andere schwer, so dass mittlerweile
insgesamt sechzehn Männer im extra eingerichteten Hochsicherheitstrakt
von Korydallos (Gefängnis in Athen) sitzen.
Ihre gute Zusammenarbeit
mit den Verfolgungsbehörden wird durch das erst Anfang des Jahres
ver-abschiedete "Antiterrorgesetz", welches auch die
sogenannte Kronzeugenreglung beinhaltet, mit voraussichtlich großen
Strafnachlässen belohnt werden. Wie bekannt führt die Kronzeugenreglung
zu Lügen und Denunziationen je nach Willen der Verfolgungsbehörden,
was momentan in Griechenland zur Folge hat, dass die Namen bekannter
Anarchisten im Zusammenhang mit 17 N in der Presse lanciert werden.
Diese Aktivisten gehörten schon in den 70er, 80er und 90er Jahren
zu den "üblichen Verdächtigen", wurden teilweise zu
Topterroristen aufgebaut, jedoch alle letztinstanzlich freigesprochen.
Wir machen diese
Veranstaltung mit dem Ziel der Informationsvermittlung, da hier
so gut wie nichts über Griechenland, linken Widerstand dort, und
den 17 N bekannt ist. Gerade im Zusammenhang mit dem EU-Gipfel
2003 in Thessaloniki und dem von geplanten Konstrukt eines "anarchistischen Terrorismus"
geht es uns auch darum, dem Angriff auf die anarchistische Bewegung
in Griechenland unsere Solidarität entgegenzusetzen.
Die Veranstaltung
wird von der FAU-Frankfurt in Zusammenarbeit mit dem Genossen
Ralf Dreis, der abwechselnd in Griechenland und Deutschland lebt,
organisiert.
Veranstaltungsort:
Cafe Exzess, Leipziger Str. 91, Ffm Bockenheim
Datum: 4. Oktober 2002 um 19.30 Uhr
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