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Interim Nr. 358 11.01.1995
Erster Schauprozeß endet mit Terrorurteilen
40 Monate Knast für GenossInnen
Wie befürchtet hat die griechische Regierung ein Exempel an den GenossInnen statuiert, die im Zusammenhang mit der Polytechnikumbesetzung
am 17. November festgenommen wurden.
I m ersten Massenprozeß gegen 126 Angeklagte wurden 64 GenossInnen
zu 3 Jahren und 4 Monaten Knast verurteilt, gegen 58 Angeklagte
wurden Knaststrafen von 2 Jahren und 7 Monaten verhängt, vier kamen
mit jeweils vier Monaten davon. Allein .20 Monate wurden wegen "Zusehens
beim Verbrennen einer griechischen Fahne" verhängt, der Rest
wegen "Beihilfe bei der Zerstörung von Staatseigentum".
Der " Prozeß " gegen unsere GenossInnen spottete jeder Beschreibung, die griechische Justiz
kümmerte sich einen Scheiß um einen rechtsstaatlichen Schein. Im
Gerichtssaal standen behelmte Bullen und jede Öffentlichkeit war
'ausgeschlossen. Der Vorsitzende Richter wurde auf Druck von oben
ausgewechselt, nachdem er verkündet hatte, den Prozeß auf Antrag
der Verteidigung auszusetzen. Auch die Staatsanwältin war anfangs
geneigt, den Prozeß auszusetzen. Der oberste Athener Staatsanwalt
wies sie nach Rücksprachen mit dem Polizeipräsident an, auf der
Weiterführung zu bestehen. Damit war klar, daß die Angeklagten um
jeden Preis verurteilt werden sollten. Als nächstes spaItete das Gericht die Angeklagten in sechs Gruppen auf
und wollte an unterschiedlichen Tagen weiterverhandeln.
An diesem Punkt reichte es den meisten Angeklagten und den VerteidigerInnen . Sie verließen den Gerichtssaal und nahmen
an dieser Farce nicht länger teil. Die Athener Anwaltsvereinigung
unterstützte ihre Mitglieder in dieser Entscheidung und forderte
alle AnwältInnen in einer öffentlichen
Erklärung auf, aus Protest gegen die massiven Verletzungen strafprozessualer
Rechte, an diesem Prozeß nicht mehr teilzunehmen. Daraufhin verließen
auch die AnwältInnen des Polytechnikums
den Saal, die eigentlich die Aufgabe hatten, vor den Angeklagten
Schadensersatz einzuklagen. Dieser Gespensterprozeß ohne Verteidigung,
ohne Öffentlichkeit und ohne die meisten
Angeklagten endete dann mit den harten Urteilen, die
oben beschrieben wurden.
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Am 6.12. hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen zwei Promis erhoben (einen
Politologie Professor und einen sehr populären Schauspieler), die
sich in einer Fernsehsendung mit den Verhafteten solidarisiert hatten.
Beiden wird "Befürwortung eines Verbrechens" vorgeworfen.
Daraufhin erklärten mehrere tausend Menschen per Briefen, Telefonanrufen
und offiziellen Erklärungen ihre Solidarität nicht nur mit den beiden
Promis, sondern mit allen Angeklagten des 17. November.
Zur
Zeit sind die Verurteilten
noch auf freiem Fuß bis zur Entscheidung eines Berufungsgerichts.
Gegen vier Verurteilte ist Haftbefehl erlassen worden, bis Weihnachten
hatten sie sich ihrer Verhaftung entzogen. Weiteres ist noch nicht
bekannt. Die Verfahren werden weitergehen, wir wissen, daß wir hier nicht viel werden
machen können und doch sind wir nicht zur völligen Untätigkeit verdammt.
Der griechische Staat präsentiert sich an verschiedenen Stellen
hier in Berlin und auch in anderen Städten der BRD. Außerdem ist
im Frühjahr wieder die ITB (Internationale Tourismus Börse), wo
es garantiert einen offiziellen Stand geben wird...
Sofortige Freilassung der Gefangenen und Einstellung
aller Verfahren im Zusammenhang mit dem
17. November!
Hoch die internationale Solidarität!
Einige Autonome.
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