Veranstaltung am 5. November 2005

Veranstaltung
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in Athen 2006


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Konzept

Zum (32.) Jahrestag der Erstürmung des Polytechnikums am 17. November 1973 & zum Stand der Prozesse gegen die Militanten von ELA und 17. November

Anlässlich derzeitiger Verfahren gegen zwei griechische linke bewaffnete Gruppen machen wir eine Informations- und Diskussionsveranstaltung.

In Griechenland gibt es eine lange kontinuierliche linke Tradition, die auch von bewaffneter militanter Politik geprägt ist. Diese Tradition reicht vom PartisanInnenkampf gegen die faschistische italienische und deutsche Besatzung, dem Bürgerkrieg über den Widerstand gegen die Militärdiktatur in den 70ern bis hin zum letzten Anschlag des 17. November im Jahr 2000. Diese Kämpfe wurden von einem großen Teil der Bevölkerung begrüßt und unterstützt. Die Tradition ist immer noch so präsent, dass sie auch heute noch die öffentliche Meinung in Griechenland bestimmt.

Auf diese lange bewaffnete Geschichte bezogen sich die beiden Gruppen, ELA und 17. November.

Die Gruppe "Revolutionärer Volkskampf" (ELA) existierte von 1975 bis 1995. Ihr Ziel war der revolutionäre Sturz des kapitalistisch-imperialistischen Systems, um eine sozialistische Herrschaft des Volkes zu erreichen. Der ELA verstand sich als Teil der Massenbewegung des Volkes und beteiligte sich aktiv an der Verbreitung von Informationen. Zu diesem Zweck gab sie die Broschüre "Antipliroforisi" heraus, die umsonst verteilt wurde. Gleichzeitig war ein militanter Arm aktiv, der vor allem symbolische Ziele angriff, wie Gebäude von multinationalen Konzernen, Fahrzeuge US-amerikanischer und britischer Einrichtungen, Ministerien, Polizeistationen, Banken und die Vertretungen der EU und der UNO in Athen. Seit Anfang der 90er Jahre ging der ELA auch gegen Personen vor.

Die "Revolutionäre Organisation 17. November" (17N) existiert ebenfalls seit 1975 und beruft sich schon mit ihrem Namen auf die blutige Erstürmung des von oppositionellen Studierenden besetzten Polytechnikums im Jahr 1973.

Der erste verübte Anschlag galt dem US-amerikanischen Leiter des CIA in Athen, Richard Welch, um auf die Beteiligung der Regierung der USA am Militärputsch und der Stabilisierung der Diktatur hinzuweisen. Darüber hinaus verübten sie Anschläge gegen bekannte Folterer, die nach der Militärdiktatur von der griechischen Justiz freigesprochen wurden.

Seitdem hat sich der 17N zu zahlreichen weiteren Anschlägen bekannt, z. B. gegen multinationale Konzerne, gegen US-, NATO- und EU-Einrichtungen sowie gegen diverse griechische Politiker und Persönlichkeiten. Im zweiten Golfkrieg wurden binnen kürzester Zeit diverse Ziele in Athen mit Panzerfäusten angegriffen, während des Kosovokriegs u.a. die BRD-Botschaft.

Bis zum Sommer 2002 wurde in den insgesamt 27 Jahren des Bestehens des 17 N niemals ein Mitglied der Gruppe verhaftet.

In ihren Aktionen bezogen sich beide Gruppen auf aktuelle in der griechischen Öffentlichkeit laufende Diskussionen.

Die Erklärungen der Gruppen waren im Gegensatz zu anderen bewaffneten westeuropäischen Gruppen so formuliert, dass jeder und jede sie verstehen konnte. Diese Papiere wurden vollständig in der griechischen Presse abgedruckt, wobei die jeweilige Zeitung ihre Auflage um 20- bis 30.000 Exemplare erhöhte.

"Griechenland ist mehr als nur ein Urlaubsland" - Bezug zu Deutschland

Die Geschichte Griechenlands im letzten Jahrhundert ist ohne die deutsche Besatzung von 1941 bis 1944, den Partisanenkrieg dagegen sowie den anschließenden Bürgerkrieg nicht zu verstehen.

Nach der gewaltsamen Entwaffnung der Linken aufgrund des verlorenen Bürgerkrieges begann ein großer Exodus in die angrenzenden Balkanländer und die DDR. Die Anwerbung so genannter Gastarbeiter durch die BRD führte zu einer weiteren Auswanderung. Während der Militärdiktatur emigrierten abermals viele griechische Linke in die BRD und in die DDR. Des Weiteren bezogen sich auch die deutschen und griechischen linken Bewegungen aufeinander. Zum einen gab es eine Solidaritätsbewegung während der Militärdiktatur in den 70er Jahren (z. B. Mikis Theodorakis) und zum anderen gab es etliche Solidaritätsaktionen zu Militanten aus der RAF und der Bewegung 2. Juni (z. B. Rolf Pohle).

In den letzten Jahren spielt die Entschädigungsfrage zu den Verbrechen der Wehrmacht und der SS während des zweiten Weltkriegs auch eine Rolle innerhalb der öffentlichen linken/linksliberalen Diskussion hier (Massaker in Distomo).

Der zweite Prozess gegen die Gefangenen vom ELA endete im Juni 2005 mit Freisprüchen aufgrund der Unglaubwürdigkeit der Hauptbelastungzeugin. Im Dezember beginnt das Berufungsverfahren gegen den 17. November. In den beiden vorhergehenden Prozessen wurden die Gefangenen zu Haftstrafen von bis zu 23 x lebenslang verurteilt. Alle Prozesse finden in einem Hochsicherheitsgerichtsgebäude in Athen statt. Die Gefangenen selbst befinden sich in Hochsicherheitsabteilungen im angrenzenden Gebäude (Assoziationen zu Stuttgart-Stammheim sind durchaus nahe liegend).

Die Angleichung der griechischen Gesetze an die EU-Normen wird in Form des Antiterrorgesetzes von 2001 im Rahmen der Verfahren erstmals umgesetzt.

Die Prozesse gegen die Gefangenen des ELA sowie das anstehende Berufungsverfahren gegen die Gefangenen des 17. November im Dezember dieses Jahres wurden und werden begleitet von internationalen ProzessbeobachterInnen und ZeugInnen. Wir machen diese Veranstaltung in kritischer Solidarität mit den Gefangenen und dem griechischen Widerstand.

Ablauf der Veranstaltung

Überblick über die Geschichte Griechenlands mit Bezügen zur deutschen Geschichte

Informationen zur Verschärfung der Gesetze & Haftbedingungen sowie die Angleichung der griechischen Gesetze an EU-Normen

Überblick über die linke Diskussion in Griechenland

Bedeutung des bewaffneten Kampfes für die griechische Linke und AnarchistInnen

Beitrag zum europäischen Sozialforum 2006 in Athen

Diskussion

ReferentInnen

2 Vertreter aus den Solidaritätsbewegungen

Gianna Kourtovik: Anwältin von Dimitris Koufodinas (17N) und Giannis Serifis (angeklagt im zweiten ELA- und im 17N-Verfahren)

begleitende Ausstellung von Plakaten & Dokumenten der Zeitgeschichte

Information zu Distomo & Entschädigung

Anschließend offener Raum für Diskussion, Musik und Party.

Die Überschüsse gehen nach Griechenland.

Die Veranstaltung wird simultan übersetzt.